Mit den Tags ‘Wendezeit’ versehene Einträge
22. Oktober 2009 · Kommentare sind deaktiviert
Politik hat mich schon früh interessiert. Als die Mauer vor 20 Jahren von den Bürgern der DDR eingerissen wurde, habe ich aber wie nie zuvor die eigentliche Bedeutung von Politik erfasst: dass die Welt nichts Vorgegebenes ist, sondern dass sie durch unser gemeinsames Handeln verändert wird.

Patrick Döring
Vor allem im Politikunterricht des Gymnasiums habe ich die Ereignisse deshalb verfolgt wie kaum ein Unterrichtsthema zuvor. Wie fast alle meine Mitschüler hatte ich kaum Verbindungen oder Beziehungen in die DDR. Das Thema „Deutsche Einheit“ war in meiner Familie maximal ein historisches und theoretisches Gebilde, eigentlich für das reale Leben in der BRD irrelevant. Ich kannte 1989 jedenfalls niemanden, der daran fest glaubte.
Umso faszinierter war ich von dem Ereignis selbst und der rasanten Entwicklung, die sich anschloss. Eine Revolution von unten, für Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit, für Demokratie und Transparenz. Mit einem Schlag spürte ich auch, wie sehr die demokratischen Urwerte in der BRD der 80er drohten verschüttet zu werden. Begegnungen und Gespräche mit den ersten DDR-Bürgern, die über die Elbe kamen und bei uns in Stade oder Buxtehude Verwandte, Bekannte und Freunde aufsuchten, einkauften oder einfach nur die Gegend erkundeten, verdichteten meine Wahrnehmung der historischen Ereignisse der Wendezeit.
Gleichzeitig wurde im Politikunterricht und darüber hinaus täglich unter uns Jugendlichen über eine „Zwei-Staaten-Lösung“ oder „Demokratischen Sozialismus“, die Frage Bonn/Berlin und die (bis heute nicht abschließend aufgearbeiteten) Machenschaften der Stasi in Ost und West heftig diskutiert.
Ich bin heute sicher, dass diese Debatten, die Auseinandersetzung mit dem DDR-Unrecht und den Werten der Demokratie mein Interesse an Politik insgesamt und meine Hinwendung zur FDP und zur Kommunalpolitik 1991 sehr stark beeinflusst haben. Mit Hans-Dietrich Genscher hatte für mich die FDP neben der überzeugenden Programmatik vor allem das Gesicht eines vereinten Deutschlands in einem auf Frieden begründeten Europa. Nie hätte ich mir damals träumen lassen, einmal dem (gesamt)deutschen Bundestag anzugehören. Jetzt seit 2005 als Parlamentarier mitarbeiten zu können an einem noch besseren gemeinsamen Deutschland erfüllt mich noch immer mit Stolz, Ehrfurcht und Dankbarkeit.
Ihr
Patrick Döring
Kategorien: 93 Liberale · Patrick Döring · Wendegeschichten
Mit Tag(s) versehen: 1989, DDR, Deutsche Einheit, Patrick Döring, Politik, Wendezeit
19. Oktober 2009 · Kommentare sind deaktiviert
Vor 20 Jahren durften die ausreisewilligen DDR-Bürger, die wochenlang die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag besetzt hatten, in den Westen. Die Züge fuhren von Prag über DDR-Gebiet, über das Vogtland, nach Oberfranken. Ich erinnere mich an diese spannende Zeit noch sehr gut.
Es war eine aufwühlende Situation, die in jenem Oktober nur noch getoppt wurde durch die erste friedliche Demonstration in Plauen. Noch bevor es am 9. Oktober in Leipzig zur ersten Kundgebung kam, erklangen in Plauen die Rufe „Stasi in den Knast“, „Wir sind das Volk“. Ich konnte damals spüren: Es gibt eine Chance für die Freiheit und vielleicht auch eine klitzekleine Chance für eine Wiedervereinigung Deutschlands.
Nun jähren sich die Ereignisse also zum 20. Mal. Unglaublich, wie die Zeit verflogen ist. Ich freue mich sehr, als einer von vielen Baumeistern am Aufbau Ost mitwirken zu dürfen. In den ersten acht Jahren nach der Wende als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, als Bundestagsabgeordneter, Mitglied des Ausschusses für Verkehr, Bau, Wohnungswesen. Es gibt noch viel zu tun.
Doch gerade in diesen Tagen sollten wir uns erinnern, wie es vor 20 Jahren aussah in unseren ostdeutschen Landen. Die Häuser grau, die Straßen holprig, Abgasgestank wohin man auch kam. Freie Meinungsäußerung war unmöglich. Es ist viel geschafft und viel geschaffen worden. Daran sollten wir uns freuen. Und wir sollten daraus Kraft und Zuversicht schöpfen, um die neuen Aufgaben anzupacken.
Es ist gut, dass es in diesem Herbst, in dem uns die internationale Wirtschafts- und Finanzmarktkrise fest im Griff hat, vielfältige Erinnerungsveranstaltungen an die Zeit des Aufbruchs 1989 gibt. Denn bei diesen Veranstaltungen kann sich jeder noch einmal klar machen, dass keine Situation so ausweglos ist, dass man den Kopf in den Sand stecken müsste. Ich freue mich heute Nachmittag zum Beispiel auf das Eintreffen des „Zuges der Freiheit“ im Plauener Hauptbahnhof. In den sechs Waggons werden verschiedene Ausstellungen zu sehen sein. Zeitzeugen werden am Bahnsteig von ihren Erlebnissen rund um die Wende berichten. Und dann wird sich der Zug in Richtung Hof in Bewegung setzen. Und keinem wird es verwehrt sein, bei Gutenfürst ebenfalls die einstige innerdeutsche Grenze zu überfahren. Großartig!
Ihr Joachim Günther
Kategorien: 93 Liberale
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70.000 Menschen zogen heute vor 20 Jahren durch die Leipziger Innenstadt, um gegen das DDR-Regime und für ein Leben in Frieden und Freiheit zu demonstrieren. Den Menschen, die damals trotz der Repressionen und der Gewalt des Regimes auf die Straße gegangen sind, gehört unsere Anerkennung.
Wer heute die DDR durch die „Ostalgiebrille“ sieht und behauptet, es sei doch eigentlich ganz schön gewesen, der tut diesen Leuten, unrecht.

Jan Mücke
Es war in der DDR natürlich möglich, ein einigermaßen angenehmes Leben zu führen, solange man sich vor dem Regime duckte und linientreu blieb. Aber sobald man sich in einer Weise entfalten wollte, die nicht ganz der Parteilinie entsprach, war es aus mit dem schönen Leben. Bespitzelung, Willkür, Mangelwirtschaft und Unfreiheit waren ständig präsent. Die Diktatur der Einheitspartei wurde nur durch die mutigen Leute in Sachsen überwunden, die vor 20 Jahren Leib und Leben für ihre und unsere Freiheit riskierten.
Aus diesem Anlass war ich heute beim Festakt in Leipzig. Die Rede des Bundespräsidenten war beeindruckend. Er führte vor Augen, wie die Menschen in Leipzig ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben und für uns alle die Freiheit erkämpft haben: Was in Leipzig und in anderen Städten der DDR geschehen sei, das sei Demokratie gewesen.
Besonders beeindruckend wurde die Veranstaltung dadurch, dass Kurt Masur, damals Kapellmeister im Gewandhaus, wie damals Orchester dirigierte, das mit Werken von Beethoven den Festakt umrahmte. Vor 20 Jahren war er einer der Mitunterzeichner des Aufrufs „Keine Gewalt“, heute kehrte er an seine alte Wirkungsstätte zurück.
Ihr Jan Mücke
Kategorien: Jan Mücke · Wendegeschichten
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