Blog der FDP – Bundestagsfraktion

Mit den Tags ‘San Franzisco’ versehene Einträge

Good bye, San Francisco

3. November 2008 · Kommentare sind deaktiviert

Marina Schuster berichtet an dieser Stelle regelmäßig bis zur US-Präsidenten-Wahl am 04. November 2008 über ihre Erfahrungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Unser Stopp in San Francisco geht zu Ende. Drei Tage waren viel zu kurz für die Bandbreite an Themen, die wir in unseren Terminkalendern hatten. Gestern hatten wir noch ein Treffen an der University of San Francisco, wo wir sehr viel über die Einwanderungspolitik Kaliforniens erfahren haben. Sie widerspricht nämlich Bundesgesetzen und Bundesleitlinien, und anscheinend scheint man sich in Kalifornien mit Freude gegen Washington zu stellen.
San Francisco ist eine – wie man hier sagt – „sanctuary city“, so etwas wie ein Schongebiet für Einwanderer. Auch als illegaler Einwanderer hat man hier viele Rechte, die in anderen Bundesstaaten nicht gewährt werden. Zum Beispiel verhaftet die Polizei keine Gelegenheitsarbeiter, die in der „Cesar Chavez Street“ auf ihre Arbeitgeber warten. Es ist ein bekannter Ort, wenn man schnell als Tagelöhner was verdienen möchte, z.B. als Gartenarbeiter. Auch wenn man hier keine legalen Papiere hat, kann man im Rathaus (übrigens ein beeindruckendes, palastähnliches Gebäude) getraut werden oder wird medizinisch behandelt.

Ab dem 1.1.2009 gibt es eine City ID, einen Ausweis der belegt, dass man Einwohner San Franciscos ist. Den erhält jeder, egal ob legal oder illegal. Damit kann man dann auch ein Bankkonto eröffnen. Von den knapp 800.000 Einwohnern halten sich ca. 50.000 illegal in der Stadt auf. Insgesamt gehört ein Drittel der Bevölkerung den sogenannten „first generation immigrants“ an, solchen Einwanderern, die in erster Generation in den USA leben. Davon kommen über 60 Prozent aus Asien, was man auch am Stadtbild erkennen kann (Chinatown wächst stetig weiter).
Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es alle offiziellen Papiere des Rathauses auf Englisch, Spanisch und Chinesisch. Darüber hinaus gibt es eine Notfallnummer, wo diese Sprachen gesprochen werden. Das ist ein beachtlicher Service.
44 Prozent der Bevölkerung sprechen daheim kein Englisch und davon fast die Hälfte nur Chinesisch. Auch wenn es einige Angebote gibt, die Englische Sprache zu lernen, so gibt es in den USA viele, die die Landessprache nicht beherrschen. Auch hier ist es wichtig, verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, denn die Sprache ist der Schlüssel zur Integration im neuen Heimatland. Sprache öffnet die Türen zum Schulsystem, für die Karriere und bietet damit bessere Chancen, sozial aufzusteigen.

Am Abend haben wir uns ehrenamtlich engagiert und in der „food bank“ – ähnlich der Tafeln in Deutschland – Äpfel und Reis für bedürftige Menschen verpackt.

PS: Würde ich – rein hypothetisch – in die USA auswandern, würde ich natürlich Weihnachten feiern wie daheim, meine Kinder würden sicher auch Deutsch lernen usw., aber ich würde mich darum bemühen, ein gutes Englisch zu sprechen. Mein Kollege Hartfrid Wolff hat übrigens einen 12-Punkte-Plan für Zuwanderung entwickelt, den sie hier finden können.

Kategorien: Internationale Politik · Marina Schuster · USA
Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Westküste: Umbruch, Umweltbewusstsein und politisches Kalkül

3. November 2008 · Kommentare sind deaktiviert

Marina Schuster berichtet an dieser Stelle regelmäßig bis zur US-Präsidenten-Wahl am 04. November 2008 über ihre Erfahrungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Heute erhielten wir einen umfassenden Einblick in die Bay Area, die Bucht der Metropolregion im nördlichen Teil Kaliforniens, mit San Francisco als Mittelpunkt. Obwohl San Fran (wie viele hier die Stadt nennen) von der Einwohnerzahl (über 764 000 Einwohner) von San Jose mit fast einer Million übertroffen wird, liegt sie kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich unangefochten an der Spitze der Bay-Area-Städte. Ist zum Beispiel bekannt, dass die größte afghanische Kommune außerhalb Afghanistans in San Fransisco und im Silicon Valley lebt?
Insgesamt 10 Counties sind Teil der Bay Area (zählt man Santa Cruz dazu) und sie verfügen über eigene regionale Verwaltungsstrukturen. Die Region produziert das achtzehnt größte GDP (gross domestic product) der Welt, das dem Bruttosozialprodukt hierzulande entspricht. Es gibt hier mehr Biotechnologiefirmen als irgendwo sonst auf der Welt, in der Nanotechnologie liegt die Region auf Platz zwei, nach Deutschland. Kalifornien ist Spitzenreiter in der grünen Technologie und überhaupt in allem, was mit Umweltschutz in den USA zu tun hat. Hier sieht man überall Mülltrennung -auch wenn man das Essen immer noch ständig in aufwendiger Plastikverpackung serviert – es gibt viel Bioessen, kleine, individuelle Geschäfte mit biologischem Käse, Schokolade usw.. Es gibt eine Zwangsabgabe auf der Stromrechnung, die dann in einen Recherchepool zur Energienutzung und -Effizienz geht und eine Selbstverpflichtung erneuerbare Energie zu fördern. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger will sogar einen „hydrogen highway“ an der Westküste errichten, eine Autobahn, an der der Sauerstoff getankt werden kann. Ganz klar: dieser Bundesstaat ist Umweltvorreiter. Auch wenn man über einzelne Maßnahmen diskutieren kann, bringt es doch eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich und ist letztlich auch notwendig. Denn wir brauchen die USA auch für den Nachfolger des Kyoto Protokolls bei weltweiten Umweltschutzmaßnahmen und ich bin froh, dass die schwedische EU-Ratspräsidentschaft 2009 das aufgreift. Hier geht man so sorglos mit Energie um und jeder Einzelne hat für sich genommen mehr Freiheiten als in Europa. Deshalb ist es auch schwierig in der breiten Masse ein Bewusstsein für globale Umweltprobleme zu schaffen.

15/5871

Besonderer Beliebtheit im Wahlkampf erfreuen sich zunehmend die Imitatoren. Es gibt Doubles für alle Kandidaten und ihre Stellvertreter und besonders die Sarah-Palin-Doppelgängerin kann sich zur Zeit vor Engagements kaum retten. Es gibt immer wieder neue, zum Teil wirklich absurde Debatten.
Online wird in den USA gerade ganz heiß diskutiert, ob Sarah Palin McCain nützt oder schadet. Meine klare Antwort: Sie hat ihm letztlich geschadet. Ich persönlich finde diese Frau einfach unwählbar. Und sie hat mit Hillary Clinton auch wirklich nichts gemeinsam, außer der Tatsache, dass sie beide Frauen sind. Palin wird hier nun als Diva bezeichnet, weil sie 150.000 Dollar für Kleidung und Styling ausgegeben hat. Und ich sehe mehr Berichte über die Vizekandidatin als über den wichtigsten Republikaner derzeit. Und das schadet auf jeden Fall, denn McCain hat ernsthafte und sachkundige Inhalte zu liefern, die von Palin dem Interesse an ihrer Person überschattet werden.

Kategorien: Internationale Politik · Marina Schuster · USA
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , ,