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SPD will mehr staatlichen Einfluss auf Presse und Medien

8. September 2009 · 6 Kommentare

Hans-Joachim Otto

Hans-Joachim Otto

Die SPD geht medienpolitisch seit Jahren auf dem Zahnfleisch. Jetzt habe ich mit großem Erstaunen einen Beitrag von SPD-Außenminister Steinmeier auf carta.info gelesen. Nun ist es zwar erfreulich, dass offenbar auch die SPD nach jahrelanger Abstinenz das Schiff derjenigen bestiegen hat, die sich in Deutschland um die Medienpolitik sorgen.

Leider offenbaren die dort dargestellten sogenannten „8 Thesen“, dass SPD und Medienpolitik nach wie vor nicht zusammenpassen. Denn diese stellen nicht mehr als eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und dem latenten Wunsch nach staatlicher Allmacht dar. Die SPD hat sich damit für jegliche medienpolitische Verantwortung disqualifiziert.

Zu den „Thesen“ im Einzelnen:

1. Die tatsächlichen Anforderungen an ein modernes Medienkonzentrationsrecht werden offensichtlich nicht erkannt. Mehr als ein Seitenhieb auf „Google“ – unbegründet wohlgemerkt – fällt der SPD nicht ein. Dabei wäre ein Wort über vertikale Integration, die Struktur der KEK, die globale Beschaffenheit des Internet oder Transparenzanforderungen bei Medienbeteiligungen mehr als angebracht;

2. „Gleiches Netz“ für alle ist gerade NICHT, was Breitband ins flache Land bringen wird! Es ist erstaunlich, dass die SPD das noch immer nicht begriffen hat. Wir benötigen einen Technologiemix aus DSL, Kabel, Funk, etc. für die Schließung der „weißen Flecken“. Ein Rückfall in Monopolstrukturen, wie es die SPD anstrebt, wird die Breitbandversorgung sogar verschlechtern.

3. Eine „unabhängige“ Nachrichtenagentur auf Betreiben des Staates wird es nicht geben können. Scheinbar will die SPD ihren politischen Einfluss – den sie bereits über ihre Medienbeteiligungen ausübt – noch ausweiten. Es ist darüber hinaus bedauerlich, dass die SPD offenbar kein Vertrauen in die dpa hat.

4. „Erleichterungen“ im Pressefusionsrecht: die SPD lässt sich ihre Medienpolitik von einigen großen Verlagen diktieren. Ziel von Medienpolitik muss eine Vielfalt unabhängiger Anbieter von Presse und Meinungen sein – kein Wort davon bei der SPD, geschweige denn über das Presse-Grosso, die Lage der Journalisten, die Bedeutung von Online-Portalen und Online-Journalismus, etc.

5. Diese nichtssagende Phrase hat offenkundig ein SPD-Funktionär verfasst, der sich nicht einmal ansatzweise mit den vielfältigen Debatten über modernes Telemedienrecht, die Durchsetzung des geistigen Eigentumsrechts oder das von SPD und CDU/CSU beschlossene Gesetz über die Internet-Sperren auseinandergesetzt hat.

6. Die SPD denkt offenbar daran, Rundfunkgebühren an private Rundfunkveranstalter zu vergeben. Das bedeutet: noch höhere Gebühren, noch mehr GEZ, noch mehr staatlicher Einfluss auf den Rundfunk: wenig zielführend.

7. Die SPD wehrt sich seit Jahren gegen eine Reform der Rundfunkgebühren und die dringend notwendige Abschaffung der GEZ. Stattdessen wurde unter ihrer rundfunkpolitischen Führung die Rundfunkgebühr auch z.B. auf PC mit Internetzugang ausgeweitet.

8. Die SPD sollte sich selbst erst mal wieder eingängig mit Medienpolitik befassen, bevor sie sich über Atlanten auslässt. Im übrigen: Art. 5 GG umfasst auch etwa die Kunstfreiheit und die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Dies alles in einem Atlas abzubilden, würde ein gigantisches bürokratisches Monster bedeuten. Mir scheint, der Vater des Gedankens war der Wunsch nach der Vergabe von Geldern an SPD-nahe Institutionen…

Die SPD war in den letzten elf Jahren an der Bundesregierung beteiligt und sitzt in der Person von Kurt Beck seit vielen Jahren der Rundfunkkommission der Länder vor. Alles, was die SPD in den letzten Jahren allerdings medienpolitisch „bewegt“ hat, war die Einführung der Rundfunkgebühren für Internet-PC auf Länderebene und die Ausweitung von Überwachung und Verboten – bis hin zu den verfassungsrechtlich mehr als bedenklichen Internet-Sperren – auf Bundesebene.

Sie will auf der einen Seite noch mehr Einfluss auf die Medien und die freie Presse. Dabei hat zum Beispiel die Debatte um den ZDF-Chefredakteur gezeigt, dass wir weniger staatlichen Einfluss brauchen. Auf der anderen Seite versteckt sie sich auf scheinheilige Weise vor ihrer eigenen Politik.

Ihr Hans-Joachim Otto

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Hausbesuch bei Axel Springer

17. Oktober 2008 · Kommentare sind deaktiviert

„Bild Dir Deine Meinung“ – unter diesem Motto Deutschlands größter Boulevardzeitung hätte gut der vergangene Mittwoch stehen können, als ich mit einigen Kollegen eine Einladung des Axel-Springer-Verlages zu einem sehr interessanten Hausbesuch nutzte. Der Verlag hatte sämtliche Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages in das Axel-Springer-Haus in Berlin-Mitte eingeladen, um ihnen einen detaillierten Einblick in das Innenleben eines großen Medienhauses zu gewähren.

Hans-Joachim Otto

Hans-Joachim Otto

Besonders spannend und interessant fand ich persönlich die Teilnahme an der Redaktionskonferenz der „Bild“-Zeitung. Hautnah konnten wir erleben, wie die nächste Ausgabe entsteht, welche Themen gesetzt werden und wie die Redaktion mit Kritik umgeht. Nach dem Motto „Wie die Bild aus Fehlern lernt“ haben wir auch aus nächster Nähe das relativ neue Instrument der Blattkritik kennengelernt. Vor Beginn der Redaktionskonferenz hatte an diesem Tag die Schauspielerin Jenny Elvers-Elbertzhagen Gelegenheit, ihre Kritik an der Ausgabe des Vortages anzubringen – die Redaktion musste sich anschließend damit auseinandersetzen. Im Gespräch mit den leitenden Redakteuren konnten wir das spezielle Verhältnis zwischen der Politik und der Bild-Zeitung analysieren. Mein Eindruck ist: Sie haben sich gegenseitig viel vorzuwerfen, kritisieren einander häufig, loben einander manchmal und schieben Verantwortung zwischen sich hin und her. Letztendlich können und wollen sie auch nicht ohne einander leben, auch wenn politische Artikel bei der Bild – wie wir erfahren haben – weit weniger gerne gelesen werden als Artikel aus dem Unterhaltungsbereich.

Wir besuchten außerdem den „Newsroom“ der Welt-Gruppe. Hier entstehen jeden Tag die Ausgaben der Welt, der Welt kompakt und der Berliner Morgenpost.

Insgesamt erlebten wir also einen sehr informativen Blick hinter die Kulissen. Medien und Politik sind nach wie vor stark aufeinander angewiesen und die Presse spielt auch heute noch eine sehr wichtige Rolle als Filter und Vermittler politischer Inhalte. Insofern ist es gut und richtig, dass es große Presseorgane gibt, die den Finger trotzdem auch mal etwas pointierter in die Wunde legen. Ein reger und direkter Austausch zwischen allen Beteiligten ist demnach immer zu begrüßen.

Ihr Hans-Joachim Otto

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