
Volker Wissing
Die plötzlich entflammte Liebe zwischen SPD und Banken ist auch nicht vom Himmel gefallen, sie hat eine solide Basis: Geld. So hat Herr Ackermann in der öffentlichen Sitzung des Untersuchungsausschusses gesagt, dass er an den zur Rettung der HRE bereitgestellten Mitteln bislang 100 Millionen Euro verdient hat. Dafür kann man dann auch mal das Finanzministerium loben.
Auch Herr Blessing von der Commerzbank war voll des Lobes für das Management der Finanzkrise durch das SPD-Finanzministerium. Und das, obwohl er bislang nur ca. 25 Millionen Euro an der HRE-Rettung verdient hat. Nun ja, bei Herrn Blessing dürfte hinzugekommen sein, dass sein Institut am staatlichen Steuertropf hängt und es keinen guten Eindruck macht, seinen Arbeitgeber zu kritisieren.
Unterm Strich kann man jedenfalls festhalten: für die privaten Banken hat sich die Rettung der HRE zu einem lohnenden Geschäft entwickelt. Der Staat hält mittlerweile die Aktienmehrheit und damit ist das Ausfallrisiko für die seitens des Bankenkonsortiums zur Verfügung gestellten Mittel gleich null. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler garantieren, dass auch in Zukunft Zins und Tilgung pünktlich erfolgen werden. Die Kredite an die HRE sind seit der staatlichen Übernahme des Unternehmens so sicher wie ein Bundesschatzbrief – nur zu deutlich höheren Zinsen. Während der Staat seine Bürgerinnen und Bürger bei den Bundesschatzbriefen mit Minizinsen abspeist, dürfen die Banken bei der HRE marktübliche Konditionen verlangen und nicht nur das, ihre Kredite sind vorrangig durch die vorhandenen Vermögenswerte abgesichert. Das heißt, der Staat hat das Risiko, die Banken die Sicherheiten.
Oder wurden die Rettungsgespräche tatsächlich so professionell geführt, wie dieses von Seiten der SPD gerne kolportiert wird? Diese verweist immer wieder gerne darauf, dass die professionelle Verhandlungsführung größere Belastungen für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verhindert habe. Größere Belastungen? Wie könnten die Belastungen eigentlich noch größer sein? Die HRE befindet sich mittlerweile fest in staatlicher Hand, das heißt die Bürgerinnen und Bürger stehen für alle Verluste gerade. Die Bürgerinnen und Bürger bürgen nicht nur für die Sicherheit der Investitionen der Banken bei der HRE, sie garantieren auch die Zinszahlungen an die Banken. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bürgen mittlerweile nicht nur mit ca. 100 Mrd. Euro für das Unternehmen, sie tragen auch das gesamte Risiko. Es gehört schon einige Phantasie dazu, sich aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger ein schlechteres Verhandlungsergebnis vorzustellen.
Die SPD hat dafür gesorgt, dass für die Banken aus dem Risiko HRE ein Geschäft wurde. Es ist deshalb nicht wirklich überraschend, wenn die Bankenvertreter die SPD loben. Davon abgesehen, für 100 Mio. Euro kann man auch mal nett sein – sogar zur SPD.
Ihr
Dr. Volker Wissing, MdB

