
Am 23. Mai findet die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung statt. Darüber wurde viel berichtet, und wir alle hoffen, dass der – enorm geschätzte und populäre – amtierende Bundespräsident Horst Köhler wiedergewählt wird.
Wie viele Leser bestimmt wissen, unterstützt die FDP Bundespräsident Köhler bei seiner Wiederwahl. Ich persönlich bin mir auch relativ sicher, dass die Mitglieder der Bundesversammlung aus den Reihen der FDP geschlossen für ihn stimmen werden. Er ist ein hervorragender Amtsinhaber mit liberalem Profil und bei der Bevölkerung zu Recht sehr beliebt.
Die SPD hat sich entschieden, dennoch eine eigene Kandidatin aufzustellen. Man muss das so hinnehmen, obwohl ich persönlich es bedenklich finde, dass die SPD – trotz aller gegenteiligen Bekundungen – letztendlich darauf hinwirkt, ihre eigene Kandidatin mit Hilfe der Linkspartei durchzusetzen.
Darüber hinaus zweifle ich immer mehr daran, dass Gesine Schwan die richtige Einstellung gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten mitbringt. Sie ist sicherlich eine sehr intelligente und ehrbare Person. Heute lese ich allerdings bei Zeit Online, dass sie mit ihrer Kandidatur „einen Beitrag zu einem langfristigen politischen Fundament für die SPD“ leisten möchte.
Eine Kandidatur für das höchste Staatsamt als Beitrag zu Stärkung der SPD? Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Für mich tritt hier ein sehr bedenkliches Verständnis des höchsten – selbstverständlich überparteilichen – Staatsamtes zu Tage.
Gänzlich unglaubwürdig macht sie sich, wenn die Kandidatin im gleichen Atemzug erklärt, Horst Köhler „vertiefe den Graben zwischen Politik und Gesellschaft“. Das ist schlicht und ergreifend Unfug und passt auch gar nicht mit ihrem Bekenntnis zusammen, lediglich für das Wohl der SPD als Kandidatin zur Verfügung zu stehen.
Gesine Schwan sollte sich den Machtspielchen der SPD und ihrem unsäglichen Schlingerkurs bei der Linkspartei endlich entziehen und auf eine Kandidatur verzichten. Damit würde sie wahrscheinlich sogar einen viel größeren Beitrag zur Stärkung der SPD leisten, und diese vor der nächsten riesengroßen Lügen-Falle bewahren. Was meinen Sie?
Ihr
Hans-Joachim Otto
