Land im Aufbruch – China, Transrapid und die Expo

Petra Müller

Petra Müller

Das Geräusch hört sich an, wie beim Öffnen einer Vakuumverpackung. So ein kurzes Zischen. Fast wie mein Dampfbügeleisen. Es dauert nur eine Sekunde und dann sind die Transrapid-Züge mit Tempo 400 aneinander vorbei gefahren. Zu spüren ist nichts. Der Transrapid heißt hier allerdings Maglev und brachte unsere Delegation aus sieben Bundestagsabgeordneten aus dem Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom Flughafen in die City von Shanghai. Mit an Bord und von der Ingenieurleistung voll begeistert war ich als Sprecherin für Stadtentwicklung unserer Fraktion.

Vor uns lagen 10 spannende Tage in zwei der größten Metropolen Chinas: Shanghai und Peking. Auf dem Besuchsprogramm standen die Besichtigung wichtiger Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte, ein Besuch der Expo 2010 und Gespräche mit deutschen und chinesischen Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Ich sage vorweg: Die Reise war politisch erfolgreich, fachlich anregend und kulturell einfach spannend.

Aus den vielen Eindrücken möchte ich zwei Themen herausgreifen, die ich besonders spannend fand: Der Transrapid, über dessen Ausbau in China gerade diskutiert wird, ist nur ein Beispiel, für eine Vielzahl von Bau- und Investitionsprojekten. Beeindruckend ist nicht nur die Größe der Projekte, gerade im Infrastrukturbereich. Beeindruckend ist auch das Tempo, mit dem die Projekte vorangetrieben werden. Am neu ausgebauten Tiefseehafen von Shanghai, in Liang (übrigens der drittgrößte der Welt), entsteht in nur 17 Jahren eine am Reißbrett entworfene Stadt für 800.000 Einwohner. Die Hafenbrücke von 32 km Länge (die viertlängste der Welt) entstand dabei quasi nebenbei. Die Flughäfen Peking oder Shanghai – ebenfalls unter den Top Ten – wurden binnen weniger Jahre projektiert und verwirklicht.
Planungsabläufe, Genehmigungsverfahren, Verwaltungsaufwand – das sind Stichwörter, die wir unter dem Aspekt Bürokratieabbau im Blick haben müssen. Das ist auch eine Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Das Tempo in China ist beneidenswert, hat jedoch auch eine Kehrseite: Viele Projekte rufen selbst in China Kritiker auf den Plan. Für Großprojekte werden ganze Stadtteile planiert und zehntausende Menschen umgesiedelt. Nicht nur beim Drei-Schluchten-Damm war das so. Olympische Spiele in Peking, Expo in Shanghai – immer hatte die Bevölkerung zu leiden: keine Mitspracherechte, keine Einspruchsrechte. Die mit wirtschaftlichen Prozessen verbundene Menschenrechts- und Staatsrechtsfragen dürfen im bilateralen Kontakt deshalb nicht außer Acht gelassen werden und wurden auch von unserer Delegation mit Nachdruck angesprochen.

Eindrücke von der Expo

Eindrücke von der Expo

Doch jetzt noch zur Expo 2010. Sie steht unter dem Motto: „Better city, better life“. Für eine Stadtplanungspolitikerin kann‘s ja eigentlich kein besseres Thema geben. Ohne hier im Detail auf Hintergründe einzugehen, möchte ich den deutschen Auftritt in Shanghai würdigen. Ob mit dem Null-Energie-Haus aus Hamburg, dem Auftritt Bremens, der Kulturhistorie, Ökonomie und Ökologie miteinander verbunden hat, oder der Präsentation von Freiburgs ‚green City‘ – wo es u.a. um das Thema Müllentsorgung ging. Die Deutschen haben sich insgesamt unheimlich positiv und zukunftsorientiert präsentiert. Das sehen die Besucher der Expo auch so: 6 Stunden Wartezeit sind keine Seltenheit. Deutschlands Pavillon gehört zu den drei beliebtesten auf dem ganzen Expo-Gelände.

Als Aachenerin bin ich besonders stolz, weil im Deutsch-Chinesischen Haus auf der EXPO zwei RWTH-Professoren aus meiner Heimatstadt (Peter Russells und Jan Borchers) das interaktive Stadtspiel “Silhouettes” installiert haben. Besucher können über Körpergesten einen eigenen Stadtteil schaffen. In Anlehnung an das traditionelle chinesische Schattenspiel dienen die Schatten von 16 Besuchern vor einer Großprojektionsleinwand dazu, gemeinsam Häuser, Bäume, Strom- und Wasserleitungen zu errichten. Das Spiel greift das EXPO-Thema Stadtentwicklung auf und stellt den fertigen Stadtteil jeder Gruppe online als Teil einer wachsenden virtuellen Stadt in 3D zur Verfügung. Eine super Idee! So spielerisch möchte ich manchmal auch gern mein Fachthema vermitteln können.

Ihre

Petra Müller

Eine Antwort zu Land im Aufbruch – China, Transrapid und die Expo

  1. Ernst Reinold

    Transrapid – Elektro-Leihauto – Ein Ticket
    Initialstrecke: HH – B