Dekadenz-Diktum katalysiert aufklärerische Debatte

Marco Buschmann

Marco Buschmann

Guido Westerwelle hat mit seiner Warnung vor dem politischen Versprechen des anstrengungslosen Wohlstandes eine längst überfällige Debatte katalysiert. Einige mögen kritisieren, dass der Ton zu laut war. Aber wie soll ein Aufschrei anders sein als laut? Und war ein Aufschrei nicht nötig, um endlich die Mauer aus Denkverboten und Fehlinformationen einzureißen, die die politische Linke errichtet hat? Analysieren wir die Lage daher genauer:
Unisono inkriminiert die politische Linke im Verein mit den Gewerkschaften die deutsche Wirtschaftsverfassung. Dazu wird stets der immer gleiche Eindruck erweckt: In Deutschland gingen massenhaft Menschen einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach und gleichwohl müssten sie ergänzende Leistungen vom Staat beziehen, weil sie Opfer ausbeuterischer Unternehmer seien.
Die politische Botschaft dahinter ist fatal und legt in der Tat die Axt an die Wurzel der sozialen Marktwirtschaft: Nicht die Suche nach Arbeit führe aus der Armutsfalle, sondern nur die Erhöhung von Transfervolumina nebst Eingriffen in den Preisbildungsmechanismus durch Mindestlöhne. Dass Westerwelle vor diesem Hintergrund von sozialistischen Zügen der Debatte spricht, drängt sich geradezu auf. Dass diese politische Botschaft den narkotisierenden Sozialstaat der fürsorglichen Vernachlässigung zementiert, ist offenbar.
Die Wirklichkeit sieht indes ganz anders aus, als die politische Linke vorgibt:
Nach den aktuellsten Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt die Zahl der alleinstehenden Personen, die einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen und ergänzende Leistungen beziehen, bei etwa 4.000. In einem Land mit über 80 Millionen Einwohnern sind 4.000 Einzelfälle aber kein überzeugender Beleg für ein angebliches Breitenphänomen. Erst recht taugen sie nicht als Argument dafür, pauschal Transfervolumina zu erhöhen oder Mindestlöhne einzuführen. Zu bedenken ist auch, dass die Lage dieser 4.000 Personen allemal besser ist, als wenn sie arbeitslos wären.
Der Großteil der sogenannten „Aufstocker“ geht lediglich einer Teilzeitbeschäftigung nach, die meisten davon wiederum nur einem Minijob. Davon alleine kann niemand leben, selbst wenn man einen vergleichsweise hohen Stundenlohn bezieht.
Diejenigen „Aufstocker“, die vollzeiterwerbstätig sind, haben nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung einen durchschnittlichen Stundenlohn von 10,40 Euro erzielt. Sieht man einen solchen Stundenlohn als Problem an, so würde dieses weder durch den von SPD und Grünen geforderten Mindestlohn von 7,50 Euro, noch durch den von der Linken geforderten in Höhe von 10 Euro gelöst werden.
Weichen politische Propaganda und Wirklichkeit so weit voneinander ab wie im vorliegenden Fall, so verlangt dies nach Aufklärung. Zum geistigen Erbe der Aufklärung gehört, dass Menschen aus der Geschichte lernen können. Daher nimmt es nicht wunder, dass Westerwelle an unser historisches Wissen appelliert, wenn er ein Zerrbild in der politischen Debatte erkennt und die Absicht dahinter als „spätrömische Dekadenz“ geißelt. Eine gewisse Zuspitzung ist dabei sicher den Bedingungen der Mediendemokratie geschuldet. Aber vielleicht ist es nun möglich, statt nur über bürokratische Detailkorrekturen nachzudenken, eine Debatte darüber anzustoßen, wie der narkotisierende Sozialstaat der fürsorglichen Vernachlässigung zum aktivierenden Sozialstaat mit Aufstiegschancen für alle umgebaut werden kann. Der Koalitionsvertrag von Union und FDP hält dafür sogar schon einen Begriff vor: Bürgergeld!

Ihr
Marco Buschmann

24 Antworten zu Dekadenz-Diktum katalysiert aufklärerische Debatte

  1. Hoffentlich werden auch die Christdemokraten im Lande wach. Dieser Schmusekurs ist nict zu ertragen.

    • Werner Borant

      Den ganzen Tag Orgien feiern ist zwar auf Dauer ein klein wenig anstrengend, man gewöhnt sich aber dran. Gibt schließlich Schlimmeres.
      Mir fällt auch noch Dieter Hildebrandt ein: “Über den macht man keine Witze – da lacht man so.”

  2. Adalbert Doliwa

    Sehr geehrter Herr Buschmann,
    Ihr Herr Westerwelle ist ein politischer Brandstifter, welcher die arbeitende Bevölkerung , gegen Bezieher von Leistungen ausspielt. Gerade für Ihre Klientel ist der Niedriglohnbereich der paradisische Zustand, der durch Leistungen der Solidargemeinschaft aufgestock werden muß. Auch für Menschen, die arbeiten wollen, hat es weder Politik noch Wirtschaft erreicht, genügend Arbeitsplätze zu schaffen. Der Mißbrauch bei Hartz 4 bewegt sich im 1-2% Bereich. Diesen gilt es bedingungs-los zu bekämpfen. Jedoch dafür reichen die bestehenden Gesetze völlig aus, so sie Anwen -dung finden. Den restlichen Empfängern jedoch altrömische Dekadenz zu bescheinigen, ist der Gipfel der Unverschämtheit, gepaart mit Dummheit. Der römische Kaiser Caligula machte einst einen Esel zum Senator, Merkel einen selbigen zum Außenminister- Zitat Heiner Geißler -Dass Westerwelle selbst in altrömischer Dekadenz lebt, aufgrund seines persönlichen Verhaltens, soll hiermit festgestellt sein. Ich fühle mich als Deutscher von den Herrn Außenminister nicht repräsentiert, im Gegenteil, ich schäme mich für ihn. Den Lesern empfehle ich einen Blick auf Nebentätigkeiten des Herrn, aber auch anderer Abgeordneter, um zu erkennen welche Klientelpolitik sie dann machen müssen. Uns, den Wähler, benötigen selbige nur bei Wahlen, damit ihre Pöstchen und Pfründe gesichert werden.
    Sich jedoch zu verweigern bedeutet lediglich, dass nichts verändert wird. Stattdessen haben wir ausreichende Alternativen um diesem Geschacher entgegenzuwirken. Ich bin zutiefst enttäuscht vom Verhalten der FDP insgesamt, und dem dazugehörenden Schrillen Außenminister Westerwelle, dessen Hauptaugenmerk auf Gockelartige Selbstdarstellung beruht. Weniger wäre mehr. Es ist anzunehmen, dass der FDP bei der Wahl in NRW keine Verantwortung mehr übertragen wird, Dank Westerwelle. Ich möchte ausdrücklich feststellen, dass ich – 70 Jahre- niemals Leistungen der Solidargemeinschaft in Anspruch genommen habe, diese Institution aber als selbstverständlich angesehen habe. Starke Schultern haben mehr zu tragen als Schwache. Mit freundlichen Grüßen A. Doliwa

    • Wolfgang Rosam

      Sehr geehrter Herr Buschmann,
      im großen und Ganzen kann ich die von Herrn Doliwa dargestellte Meinung nur bestätigen. Die von Ihnen als zu verharmlosende Darstellung , daß nur 4000 Menschen von insgesamt 80 Mio. Bürger bei einem Stundenlohn von 10,40 EUR eine “Aufstockung” durch die ARGE benötigen ist eine zum Himmel schreiende Lüge. Fakt ist jedoch daß die Zahl der Aufstocker bestimmt wesentlich höher ist.Auch werden keine Löhne von 10,40 EUR erzielt.Ich habe 2 Kinder davon verdient eine über eine Zeitarbeiterfima 7,35 € Stdlohn die andere verdient als Buchbinderin im öffentl Dienst 10,90 € pro Stunde. Diese monatl. Einkommen sind in Verbindung von anderen Einkommen die z.B als Friseuse bei 4,50€ Stdl liegen noch als bedingt zufriedenstellend zu sehen.Wenn in einzelnen Tätigkeiten Stundenlöhne weit unter dem allseits geforderten Mindestlöhnen von 7,50 € liegen und dies wegen fehlender Gewerkschaftlicher Präsens von den Arbeitgebern ausgenutzt wird, Arbeitnehmern eben nur Niedrigstlöhne anzubieten, nach dem Motto Friß Vogel oder stirb, so wären die außufernden Sozialleistungen des Staates nur durch die “regulierende” Vorgabe von Mindestlöhnen einzudämmen.Nur ist diese Notwendigkeit den “FREIEN DEMOKRATEN” insbsondere Herrn Westerwelle nicht zu vermitteln.Frei von jeglicher Verantwortung die paar “armen” Mitmenschen müssen es halt ausbaden.Hauptsache wir können aus dem übervollen schöpfen Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Rosam

  3. Es war an der Zeit, das diese Debatte von Guido Westerwelle gestartet wurde.
    Wenn man sich die Verhältniszahlen vor Augen führt, muß man doch sehen, das da was nicht stimmt in Deutschland.
    ca 81 Mio Einwohner
    ca 39 Mio Arbeitende
    macht 42 Mio Leistungsempfänger
    davon 3,5 Mio Arbeitslose
    ca 7 Mio HartzIV Empfänger

    50 Mrd. Euro Staatsausgaben allein für Hartz4 und deren Nebenleistungen

    Macht rechnerisch ca. 1282,- Euro Belastung für jeden Arbeitenden pro Jahr nur für HartzIV.

    Leider herrscht in Deutschland vor allem das Anspruchsdenken. “Was ein HartzIV-Empfänger alles braucht” und nicht das Leistungsdenken “Was muß ich tun um meinen Lebensunterhalt anständig zu finanzieren”. Wenn man als Friseuse nur 4,50 € pro Stunde verdient, muß man doch sehen das dieser Beruf nicht geeignet ist, den Lebensunterhalt als Angestellter zu bestreiten. Niemand hat diese Leute gezwungen diesen Beruf auszuwählen. Warum versuchen es diese Menschen nicht mal mit Weiterbildung und Berufswechsel.

    Solange noch genug “Stütze” jeden Monat kommt, werden diese Leute auch keine Anstrengungen machen, irgend etwas an der Situation zu ändern.

    Deshalb ist es gut, das es endlich diese Debatte von Guido Westerwelle gibt, DANKE!

    • Adalbert Doliwa

      Sehr geehrter Herr Riedel,
      leider haben Sie zu kurz geworfen. Enttäuschend Ihre Argumentation. Wenn es lt Ihrer Einlassung ca. 39 Mio. Menschen gibt, welche der arbeitenden Masse zugeordnet werden, sind automatisch bei Ihnen ca. 42 Mio. Leistungsempfänger übriggeblieben – also auch Kinder, Ehefrauen, Rentner Behinderte usw. – in Ihrer Statistik. Wenn Sie nun auch noch empfehlen, dass eine Friseurin mit ca. € 4,50 Stundenlohn sich ja qualifizieren kann und sie keiner zwingt diesesn Job zu machen, hat dieses menscheverachtende Züge und spielen in Westerwelles Liga. Wenn Sie auch noch Lars Riedel der fünffache Weltmeister und Olympiasieger sind, bin ich bei allem Respekt vor Ihren sportlichen Erfolgen, um so enttäuschter. Somit hätten Sie ebenfalls Leistungen der Solidargemeinschaft in Anspruch genommen, in Form von Sporthilfen. Diesen, meinen Beitrag habe ich gerne geleistet, hat er doch zu Ihrem, auch wirtschaftlichen Erfolg beigetragen. Also nicht jammern, sondern auch etwas zurückgeben, ggf. auch an Bedürftig. Selstverständlich gehe ich davon aus, dass Sie sich Ihre Haare selbst schneiden, oder ein fürstliches Trinkgeld geben, welches die Lebensumstände der Friseurin verbessert.

      Mit freundlichen Grüßen

      Adalbert Doliwa

  4. Christian Witte

    Sehr geehrter Herr Buschmann,

    Guido Westerwelle hat Recht mit dem, was er sagt, nur das Dekadenzkriterium greift nicht. Vermutlich hat es “Dekadenz” nie gegeben, und wenn, waren das nicht die herrschenden Klassen, die angeblich dekadent waren?

    Man wirft Guido Westerwelle Klientelpolitik vor, da ist leider etwas Wahres dran. Man darf die Diskussion nämlich nicht auf HartzIV-Empfänger beschränken, sondern alle staatlichen Leistungen, Bevorzugungen und Benachteiligungen gehören auf den Prüfstand. Das fängt bei Beamten-Pensionen an und hört bei Kindergeld und Spezialregeln für bestimmte Berufsgruppen noch lange nicht auf.
    Das wäre liberale Politik im eigentlichen Sinnen, dass nämlich der Anteil an gesellschaftlichen
    Resourcen – Bedürftigkeit natürlich ausgenommen – ausschließlich durch die
    auf dem Markt erzielte Leistung bestimmt wird und nicht durch ein undurchschaubares System aus Privilegien einerseits und Benachteiligungen andererseits. Eine solche Diskussion wäre für viele FDP-Wähler nicht sehr angenehm, weswegen sie vermutlich unterbleiben wird. Guido Westerwelle ist hier nicht ganz ehrlich, das spüren die Leute, daher der Hass, der ihm entgegenschlägt.

    Ich denke nicht, dass man mit diesem richtigen, jedoch unvollständigen Ansatz den Sozialisten aller Parteien Paroli bieten kann.

    Herzliche Grüße,
    Christian Witte

  5. Walter Herrmann

    Sehr geehrter Herr Riedel,

    ich kann Ihnen nur zustimmen. Der Leistungsgedanke ist in der Bundesrepublik schon lange abhanden gekommen.

    Sollten Sie der Diskuswerfer sein, dann wissen Sie auch, was Leistung bedeutet. Ich war nämlich Leistungssportler und stehe deshalb auch zu dem Slogan “Arbeit muß sich wieder lohnen”.

    Die von Ihnen genannte Statistik habe ich schon irgendwo in den Medien gelesen. Mich stört an dieser Statistik, daß Rentner und Pensionisten, obwohl viele von Ihnen 40 bis 50 Jahre gearbeitet haben, als Leistungsempfänger aufgeführt werden.

    Hoffentlich läßt sich Guido Westerwelle nicht auf der Zeillinie ausbremsen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Walter Herrmann

  6. Sehr geehrter Herr Walter Herrmann,

    Das die Rentner und Pensionisten als Leistungsempfänger aufgeführt sind, ist nicht negativ gewertet.

    Die heutigen Rentner und Pensionisten haben sich ihre Leistungen und Ansprüche nicht erschlichen, sondern als ehemalige Leistungserbringer im Generationenvertrag erworben.

    Nur sind die von ihnen einbezahlten Rentenbeiträge für die vorhergehende Generation von Arbeitenden ausgegeben worden und nicht als Rücklage für die eigene
    Rentenzeit angespart.

    Wer soll die heutigen Rentner und Pensionisten finanzieren, das können nur die heutigen Arbeitenden, da ja praktisch keine Rücklagen da sind. Deshalb treten sich in der Statistik auch als Leistungsempfänger aus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lars Riedel

  7. Sehr geehrte Mitstreiter,

    meines Erachtens hat Herr Westerwelle völlig Recht, dass vor allem an die gedacht werden müsse, die den Staat mit ihrer harten Arbeit finanzieren.
    1. Ich plädiere für tarifliche Mindestlöhne da, wo Ausbeutung offensichtlich stattfindet. Gesetzliche Mindestlöhne können nur dann eingreifen, wenn Arbeitnehmer keine Interessensvertretung haben.
    Ein überhöhter gesetzlicher Mindestlohn jedoch hebelt bestehende Tarifverträge aus und verdrängt Jobs entweder ganz oder in die Schattenwirtschaft.
    Die FDP-Antwort mit dem leistungsgerechten Bürgergeld ist die richtige: Sie ermöglicht es jedem Bürger, sich durch jeden selbst verdienten Euro ein Stück besser zu stellen und ebnet den Weg in den ersten Arbeitsmarkt.
    Hartz IV jedoch manifestiert den Transferbezug.
    2. So wie sich Leistung mit dem Bürgergeld lohnt, muss auch gelten: Mehr Netto vom Brutto! Wer hart arbeitet, der darf nicht Opfer staatlicher Piraterie werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass beispielsweise ein normaler Arbeitnehmer fast die Hälfte des Bruttogehalts an den Staat abgeben muss.
    Der Stufentarif vereinfacht das System und macht es fairer.
    Das Progressionsmodell ist leistungsfeindlich. Es kann nicht sein, dass jemand, der aufsteigt im Beruf selbst, der befördert wird, netto deutlich weniger übrig behält.
    Eine faire Leistungsgerechtigkeit muss hergestellt werden.
    3. Dass Gerechtigkeit nur von der pol. Linken beansprucht wird, ist arrogant.
    Was ist denn gerecht? Gerechtigkeit ist sehr subjektiv, für jeden ist etwas anderes gerecht.
    4. Statt auf einen ausufernden Wohlfahrtstaat zu setzen und einen Feldzug gegen die Soziale Marktwirtschaft zu führen, sollte lieber dafür gesorgt werden, dass Bildung für alle ähnlich zugänglich ist. Denn: Gute Bildung kostet viel.
    Schlechte kostet noch viel mehr.
    Bildung ist ein Bürgerrecht und notwendig für alle Bereiche des Lebens.

  8. Dr.Konrad Richter

    Der Vergleich mit spätrömischer Dekadenz ist nach meinem Verständnis durchaus zu verwenden,
    Panem et circenses , Brot und Spiele, hieß es im alten Rom.
    Das war zu der Zeit, als dort die sprichwörtlichen “Zustände wie im alten Rom” herrschten. Heute heißen die Gladiatorenkämpfe Bundesliga, Formel 1 Rennen, Deitschland sucht den Supoerstar oder Becker hat ne Neue.
    Damals brachte man den Zuschauern Lebensmiteel in die Stadien, heute heißen diese Alimentationen Harz IV.
    Westerwelles Worte sind genau so wichtig wie wahr.

  9. Bernd Ostermayer

    Sehr geehrter Herr Buschmann,

    d’accord. Die Diskussion zu öffnen war an der Zeit. Die Hartz-Reformen sind entmenschlichend und entwürdigend, sie verhindern die Leistungsbereitschaft vieler.
    Wer den Kommentar von Herrn Westerwelle jedoch gelesen hat (und ich zweifle leise polemisch, ob einige Ihrer Kritiker des Lesens genauso mächtig sind wie der Rechtschreibung und Grammatik), könnte bemerkt haben, dass GW nicht behauptet, wir Hartzis lebten in dieser Dekadenz.
    Das wäre auch falsch.
    Doch die These, die er geschrieben hat, dass ein leistungsloser Anspruch zu solchen Zuständen führte, leuchtet ein.
    Ihr Hartz-4-Empfänger ex currende
    Bernd Ostermayer

  10. Frank Schoenberg

    Ich war heute am polit. Aschermittwoch erstaunt, dass endlich mal ein Politiker sich traut die Wahrheit über den geistig moralischen u. wirtschaftlichen Zustand dieses Landes offen auszusprechen. Ich fürchte nur, es kommt viel zu spät. Zulange schon hat ein ultralinker Geist dieses Land vergiftet und wenn Herr Westerwelle überhaupt irgendeinen Einfluß auf diese Entwicklung nehmen kann, dann wird er bestenfalls diesen Abwärtstrend nur für kurze Zeit etwas aufhalten können. Das Land hat entschieden, man will lieber weiter belogen werden und in sozialistischen Träumen schwelgen. Wie man bis zum Ende an Hitler festhielt, genauso wird man am Sozialstaat, an der staatlich finanzierten Rundumsorglos-Absicherung festhalten bis zum Kollaps. Denn der Sozialstaat ist der ganze Stolz dieser linken 68er Politikerkaste. Wenn dieses Land jetzt um 5 vor 12 nicht die Reissleine zieht und auf Warner wie Westerwelle hört, dann bleibt für die Zukunft nur noch Inflation und Massenarbeitslosigkeit.

  11. Richard Fell

    “Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.” (Westerwelle)

    “Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat. Insofern stimmt Westerwelles Vergleich: Vor 100 Tagen ist ein Esel Bundesaußenminister geworden.” (Heiner Geißler, CDU)

  12. Pardon – war das was? Außer heißer Luft?

    Wenn die Zwangsdienste abgeschafft, Schulden erstmals getilgt statt angehäuft, bankrotteure Spekulanten entsprechend marktwirtschaftlichen Grundsätzen nicht noch beschenkt, die nächste Generation nicht durch kaputtgesparte und -geregelte Forschungs- und Bildungseinrichtungen um ihre Zukunft betrogen und Rentner, Familien usw. durch immer neue Wohltaten bei Laune gehalten werden, könnte man noch drüber reden.

    Bis dahin verabschiedet sich das eigentliche “Kapital” des Technikexporteurs Deutschland leise, aber stetig ins Ausland: Forscher. Unternehmungslustige junge Menschen mit Ideen. Qualifizierte Fachkräfte aller Art.

    Das natürlich nur so lange es noch geht, also die Sozialisten aller Couleur nicht in die Geschichtsbücher geschaut haben, und noch keine “Mauer” und keine “Reichsfluchtsteuer” im Wege stehen.

  13. Adalbert Doliwa

    eigentlich hätte Westerwelle , nun genug Aufmerksamkeit erregt und sollte sich zurückziehen. Leider nein, nun versucht er zwar langsam zurück zu rudern um jetzt Schwache vor Faulen zu schützen. Dieses Manöver wird ihm nicht gelingen, er hat sich als politischer Brandstifter und Brunnevergifter entlarvt. Was hat er denn schon Neues gesagt? Bei Fällen von Missbrauch und Verweigerung Arbeiten zu übernehmen, langen unsere vorhandenen Möglichkeiten, Sanktionen zu verhängen, völlig aus. Ich empfehle ihm um sinkender Umfragewerte zu erhöhen. sich eine Pfauenfeder in den Hintern zu stecken, ein rosa farbenes Tutu anziehen, unter den Sohlen seiner Ballett`schühlein die Zahl 14% zu pappen,
    mit dem Guido – Mobil die Umwelt verpesten,
    bei Big-Brothers mit einer Flasche Whisky einfallen und sich weiter seine geistigen Blähungen aus der Lektüre der Bild-Zeitung holen – alles schon gewesen – Aus den Reaktionen einiger der Befürworter von Westerwelle ist zu erkennen, dass Solidarität für viele ein Fremdwort ist und nur der Gedanke das eigene Kapital zu mehren, egal, wie auch immer , vorherrscht. Nur zur Erinnerung, welche Saubermann-Partei war es, die 2002 Millionenbeträge vor der Steuer in der Schweiz und Lichtenstein gebunkert hatte – s. Möllemann- Es macht die Sache auch nicht besser, darauf hinzuweisen, dass Andere es auch gemacht haben. Auch hier ist erkennbar, warum kein übergroßes Interesse besteht, Steuer-CD´s aufzukaufen. Auf Rechtsstaatlichkeit zu verweisen ist Unfug. Wo sitzen denn die kriminellen? Hier hätte Westerwelle doch ein Betätigungsfeld; aber wer legt sich schon mit einem Teil seiner Klientel an. Es ist einfach zum kotzen und die Brocken die herauskommen, kann man getrost als Weterwellchen bezeichnen. Mit freundlichen Grüßen
    A. Doliwa

  14. Walter Herrmann

    Antwort an Adalbert Doliwa,

    eigentlich sollte man auf so einen Kommentar keine Antwort mehr geben, denn Ihr Geschwätz ist an Dekadenz nicht mehr zu überbieten.

    Ola

  15. Adalbert Doliwa

    Prima, liege damit auf Westerwelles Niveau.

  16. Dennis Bartel

    Es wird zunehmend offensichtlicher, das die wirtschaftsliberalen KollegInnen schlichtweg eine eine andere Realitätswahrnehmung haben als die restliche Bevölkerung.

    Um die Zahl der nichtarbeitslosen Transferempfänger (aus den Hartz Gesetzen) zu ermitteln, brauche ich kein Institut befragen, sondern nur die BfA.

    Halten wir es mit dem was Herr B. noch während der Bundestagswahl sagte. Vollbeschäftigung ist möglich, Menschen werden immer neues Produzieren, wir wissen noch nicht was, aber sie werden.

    Ich nehme an, das sollte auch aufklärerisch sein.

  17. Bei aller Polemik die sich die Parteien jetzt gegenseitig vorwerfen, ist das Thema dennoch wichtig und noch wichtiger, daß es jetzt vielleicht einmal ernsthaft diskutiert wird. Westerwelle hat endlich die Diskussion angeschoben die längst überfällig war. Schluss mit den sozialistischen Denkverboten die jedermann in die rechte Ecke stellen wollen, der die Axt an dieses marode und leistungsfeindliche Sozial- und Steuersystem legen will. Dieses halbherzige herumdoktern an bestehenden ungeeigneten Sozial- und Steuersystemen muss beendet werden.

    Es muss ein neuer Weg gefunden werden, der die Leistungsbereitschaft belohnt und dennoch dem Hilfsbedürftigen die notwendigen Hilfen gewährt. Darum muss es in der Diskussion gehen.

    Die Sozialpsychopathen die meinen, das Geld der Arbeitenden an die Bevölkerung (potentielle Wähler) auf Kosten nachkommender Generationen (um) zu verteilen, müssen endlich gestoppt werden.

    Denn, wenn keiner mehr da ist der arbeitet und Steuern zahlt, macht der Letzte bitte das Licht aus.

    • Werner Borant

      1. Puh, die Nummer mit dem “Thema angestoßen” empfinde ich als eine waghalsige Argumentation. Das ist ein Todschlagargument, das immer zieht (und damit nie).
      2. Wenn Sie unbedingt den Sozialstaat abschaffen und das Grundgesetz einstampfen wollen, dann gehen Sie doch z.B. in eines von 20 EU-Ländern, in denen es gesetzliche Mindestlöhne gibt. Wie wäre das denn?
      3. Sie stellen sich nicht in die rechte Ecke, sondern in die neoliberale. Dass diese beiden Begriffe von den Kommentatoren häufig synonym verwendet werden, sollte Ihnen zu denken geben.
      4. Das “System” ist nicht deshalb marode, weil es (noch) in Ansätzen seine soziale Verantwortung wahrt nimmt, sondern weil es ARMUT fördert. Das Statistische Bundesamt hilft hier bei Unklarheiten gern weiter.
      5. Wir können das Problem nur lösen, indem STEUERN BEZAHLT und NICHT GESENKT WERDEN. Und indem wir dafür sorgen, dass Arbeit fair bezahlt wird. Jede Investition in Bildung ist Nonsens, wenn kein Lohn bezahlt wird, von dem Menschen leben können.

  18. Walter Herrmann

    Danke Herr oder Frau Langefeld für Ihren Kommentar.

    Mit freundlichen Grüßen

    Walter Herrmann

  19. Sehr richtig! Was nützt es, Arbeitslose zum Schneeschippen zu schicken? Wir brauchen Arbeitsplätze, die von Dauer sind und fair entlohnt werden. Alles andere ist kurzfristig, planlos, opportun und populistisch. Das bringt doch keinen weiter. Was schief läuft, erkennt man daran, dass Groß- und Geringverdiener keine Steuern mehr bezahlen….

  20. Alfredo Soukup

    Sehr geehrter Herr Westerwelle, sehr geehrte FDP-Freunde. Ich bin sehr angetan davon, daß endlich einer diese notwendige Debatte mal angefangen hat. Nur habe ich meine Zweifel, daß alles im Sande verläuft und richtige Reformen, die schon unter schwarz-rot noch besser durchgesetzt hätten werden können nicht kommen. Manchmal hat man auch den Verdacht, daß auch niemand die Intelligenz besitzt, was richtige Reformen bedeutet.
    Ich beobachte dies schon seit einiger Zeit aus dem fernen Brasilien. Nun bin ich schon eine Woche hier und mit Hartz IV konfrontiert. Ich habe kein Interesse das Sozialsystem auszubeuten, bin aber Stolz auf unser Land, daß es mich und meine Familie (wahrscheinlich) unterstützen wird. Allerdings bin ich absolut ohne Kenntnisse der Funktionsweise von Hartz IV und habe mich schon gewundert, wie wenig Informationen trotz gut ausgebildeter Staatsdiener an mich rüber kommt. Zuerst fühlte ich mich als Hauptmann von Köpenick, weil ich mich nicht anmelden konnte, weil ich keine Wohnung, sprich Anschrift, hatte. Eine Wohnung zu bekommen erweist sich als sehr schwer, weil ich mich nicht anmelden konnte. Wie soll ich Hartz IV inklusive Erstausstattung beantragen, wenn ich weder Anmeldung noch Wohnungsanschrift habe. Nun gut. Ich ging in Wiesbaden zur Naheimst und eine sehr gute Mitarbeiter war sehr hilfsbereit, nachdem ich meine Situation geschildert hatte. Ich konnte mir zwei Wohnungen ansehen. Habe mich für eine entschieden und kann am folgenden Mittwoch dieser Mitarbeiterin dies mitteilen. Ob ich noch warten muss, bis das ok vom Amt für Soziales kommt, weis ich nicht. Als ich mich am 26.2.2010 gemeldet hatte, bekam ich einen Termin für den 9.3.2010. Niemand scheint sich wohl dafür zu interessieren, wie ich und meine Familie derzeit lebe. Nun gut. Jetzt wollte ich arbeiten. Aber bei der arbeitsagentur sagte man mir schon vorher, daß sie für mich nicht zuständig sind. Das wäre die kommunale Arbeitsvermittlung. Diese suchte ich dann auf, weil ich dringend Arbeit zB. als Aussendienstmitarbeiter Lebensmittelbranche suche. Kann auch Marktleiter oder Bezirksleiter sein. Auf der Internetseite fand ich schon einige Annoncen, worauf ich mich umgehend online beworben hatte. Besonders auf Stellen, wo dringend stand. Leider scheint aber nicht alles dringend zu sein. Denn trotz Handy kommt kein einziger Rückruf. Dann der Schock bei der kommunalen Arbeitsvermittlung. Die können mir garnicht sofort eine Stelle vermitteln, sondern ich muss warten, bis man sich nach der Antragsstellung am 9.3.2010 bei mir meldet. Also wohne ich jetzt illegal bei meiner Mutter im Seniorenheim, habe mich auf die mögliche Wohnungsanschrift angemeldet und warte weitere unnütze Tage, bis mir geholfen werden kann. Wer spätestens jetzt nicht gemerkt hat, daß das soziale System Funktionsstörungen hat, kommt wohl eher auf den Gedanken die Vorzüge des deutschen Sozialstaates auszubeuten.
    Als nun Betroffener kann ich für ihr weiteres Vorgehen nur empfehlen:
    1. Trennt Arbeitssuche und Antragsstellung
    2. Schafft Hartz IV inklusive Namen ab und führt “Leistungen für den Lebensunterhalt” kurz LLU ein.
    3. Die Mitarbeiter sollen bei der Antragsstellung die sofortige Situation überprüfen, damit in Not stehende Personen (so wie ich) mit Wohnraum, Mobiliar und Geld sofort geholfen werden kann und unberechtigte Anträge sofort aufgedeckt werden können.
    4. Ich hätte noch aus Brasilien einige sehr gute Verbesserungsvorschläge für eine bessere Antragsannahme, die aber hier den Rahmen sprengen. Bei Bedarf bitte email.
    5. Die wichtigste Reform sehe ich bei der Arbeitsvermittlung. Der Staat hat in dieser Funktion versagt. Das müssen wir uns erst eingestehen. Hier sollten alle staatlichen Stellen abgeschafft werden. Dafür sollten mit entsprechenden Gesetzen, private Anbieter nicht nur die Möglichkeit der Arbeitsvermittlung zu haben, sondern auch die Pflicht, durch entsprechende Bewerber-Profilstellung, betriebs- und branchenbezogenen Einstellungsprüfungen, Weiterbildungsmaßnahmen mit Arbeitssuchenden zu arbeiten. Ausserdem sollte bei Antragsstellung der Antragssteller noch am selben Tag einen Arbeitsvermittler aufsuchen, der unbürokratische nach Profilerstellung in seiner Datenbank nach offenen Stellen sucht und ein Mitarbeiter diesen Antragssteller beim Vorstellungsgespräch begleitet. In der heutigen immer stets technisch fortschreitenden Welt, in dem von Mitarbeitern immer mehr hochqualifizierte Schulbildung abverlangt werden muss, kann man diesen Bewerber nicht alleine zum Bewerbungsgespräch gehen lassen, da auch Arbeitgeber heute durch Psychologen etc unterstützt werden.
    6. Schafft die Arbeitszeugnisse ab, da viele Zeugnisse heute der Wahrheit und der Qualifikation des Mitarbeiters nicht entsprechen. Führt branchenbezogene Arbeitsbücher ein, in dem neben allgemeinen Daten nur noch tatsächlich geleistete Fertigkeiten/Tätigkeiten ohne Bewertungen eingetragen sind.
    7. Setzt euch mit den Gewerkschaften und anderen Bundestagsparteien zusammen und macht ein Gesetz, daß Betriebe mit mehr als 10 Mitarbeitern nur noch über Arbeitsvermittler rekrutieren dürfen, die die Stellen ausschreiben müssen, Einstellungsprüfungen durchführen müssen (evtl. auch kostenpflichtig) und die Ergebnisse für die Teilnehmer veröffentlichen müssen, damit jeder sehen kann, auf welchen Platz er steht. Durch die folgende Einstellungsreihe, wird jeder versuchen unter die Besten zu kommen bzw. je nach dem wieviele Stellen ausgeschrieben sind, einer dieser Stellen zu erwerben. Unnötiges warten auf Antwort, unnötige Bewerbungsschreiben und vieles mehr kann erspart werden und ermöglicht eine schnellere Arbeitsaufnahme. Betriebe sparen Arbeitsaufwand, Zeit und Geld und es wird nicht nach persönlichen Wohlwollen, sondern nach Qualifikation eingestellt.
    Sie sehen, es gibt vieles richtig für die Zukunft zu machen. Packt es an. Schneidet alte Zöpfe ab. Viel Erfolg.