Diese Schlussfolgerung ergibt sich nahezu zwangsläufig aus dem politischen Handeln der SPD. Nicht nur, dass die SPD der Hypo Real Estate mal eben 100 Mrd. Euro problemlos und diskret zur Verfügung stellt, nein, sie verbittet sich auch ausdrücklich kritische Nachfragen der Öffentlichkeit und insbesondere der Opposition. Wen ein mulmiges Gefühl beschleicht, dass der SPD-Finanzminister einer einzigen Bank den Betrag zur Verfügung stellt, den der deutsche Staat für die soziale Absicherung der Bürgerinnen und Bürger aufwendet, dem wirft man Wahlkampfgetöse vor. Finanzhaie könnten sich jedenfalls keine bessere politische Rückendeckung wünschen, als die der SPD.
Dieses Bild zieht sich durch die gesamte Regierungszeit der SPD. Diese stellt immerhin bereits seit 1998 den Bundesminister der Finanzen. Auch 2003 gab es eine ernste Finanzkrise, auch diese wurde auf bewährte SPD-Manier scheingelöst. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat den Banken, insbesondere der Dresdner- und der Commerzbank, bei der Bestattung einiger Leichen aus den bankeigenen Kellern geholfen und ansonsten das Prinzip Hoffnung walten lassen. Die Hoffnung, dass alles wohl nicht so schlimm werden würde. Auch damals gab es übrigens eine Krisenrunde mit den Spitzenvertretern des Bankenwesens, auch damals forderte Herr Ackermann eine Bad Bank und auch damals sollte alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Finanzhaie stoßen bei der SPD nicht nur auf großes vorauseilendes Verständnis, sondern vor allem auf finanzielle Zuwendung und Diskretion.
Genauso war es auch 2008. Die Bundesregierung hat sich mit den Vertretern der Kreditwirtschaft getroffen und das Ergebnis für die Bürgerinnen und Bürger ist, dass ihnen Risiken in der sagenhaften Höhe von 235 Mrd. Euro aufgebürdet wurden. Wie kooperativ das Bundesministerium der Finanzen gegenüber dem Kreditgewerbe ist, lässt sich hervorragend am Beispiel der Hypo Real Estate belegen. Die deutsche Finanzaufsicht warnt zu Beginn des Jahres 2008 über die bedrohliche Liquiditätslage bei der Hypo Real Estate. Im SPD-Finanzministerium hält man diese Information aber für so irrelevant, dass man sie zu einer Angelegenheit der unteren Dienstebene macht. Man will schließlich den Finanzhaien nicht das Wasser abgraben. Diese sollen ihre Raubzüge auch weiterhin ungestört ausführen dürfen.
Selbst als die Finanzaufsicht bereits Sonderberichte zunächst im Wochen- und dann im Tagesrhythmus anforderte, war man im Bundesministerium der Finanzen sehr entspannt. Der zuständige Abteilungsleiter fuhr erst einmal in Urlaub und als er wohl gebräunt und erholt zurückkam, wollte er diese Berichte auch nicht lesen. Als das Scheitern der Hypo Real Estate schließlich offensichtlich wurde, gab es im ganzen Finanzministerium nur einen, der wirklich davon überrascht wurde: Peer Steinbrück. Entsprechend hilflos agierte er, zunächst wollte er retten, dann geordnet abwickeln, dann verwerten und schließlich verstaatlichen. Mittlerweile hat der Bundesminister der Finanzen seine Pirouette vollendet und bescheinigt der Hypo Real Estate eine hervorragende Zukunftsperspektive. Su-Peer!!!
Selbstverständlich konnte er nicht zulassen, dass die Finanzhaie auf dem Trockenen zappeln und sorgte schnell für die notwendige Liquidität, zunächst gemeinsam mit den Banken, später im Alleingang mit Steuergeldern. Mittlerweile stehen die Bürgerinnen und Bürger mit nahezu 100 Mrd. Euro für die Hypo Real Estate gerade.
Und die SPD? Die SPD verbittet sich Nachfragen, im verzögert die Beweisanträge der Opposition und schlägt vor, dass man vielleicht erst einmal einen Experten befragen solle, wie denn nun die Hypo Real Estate eigentlich so funktioniere. Hier bietet sich ein erschreckendes Bild: offensichtlich stoßen sich die Abgeordneten von CDU/CSU und SPD nicht daran, dass die Bundesregierung mal eben mit 100 Mrd. Euro für eine Bank bürgt, von deren Geschäftsmodell bzw. –politik sie nach eigener Darstellung keine Ahnung hat. Die SPD kann einen Finanzhai nicht von einem Goldfisch unterscheiden.
Aus Sicht der Finanzhaie gibt es nur eine logische Konsequenz: SPD wählen. Denn die SPD macht nicht nur problemlos das Geld der Bürgerinnen und Bürger locker, nein, sie setzt sich auch noch für eine diskrete und geräuschlose Abwicklung unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein. Finanzhaie wissen, ohne SPD würden sie längst auf dem Trockenen zappeln.
Ihr Volker Wissing
35 Antworten bis hierher ↓
Robert // 24. April 2009 um 1:52
Ausgezeichneter Text. Hatte eine andere Argumentation erwartet angesichts der Überschrift und des Kontextes. Aber sehr gelungener Text.
Carsten Jung // 24. April 2009 um 2:05
Hervorragender Beitrag, der einerseits zeigt, wie
sehr sich Aussenbild und innere Organisation des Bundesfinanzministers sowie seines Ministeriums unterscheiden.
Zum anderen zeigt der Beitrag aber auch, dass eine zukuenftige Finanzmarktregelung darin bestehen muss, einzelne Finanzinstitute erst gar nicht so gross und quasi systemisch werden zu lassen.
Wer als selbstaendig Wirtschaftender nicht auch das Risiko des Scheiterns tragen muss, weil er „gerettet“ werden muss, der handelt eigentlich nicht selbstaendig sondern bedingt staatlich. Hier ist zumindest ein Missbrauchspotential vorhanden, wie man sieht.
Wolfram Bölte // 24. April 2009 um 2:19
Gehe mit dem Inhalt des Artikels vollkommen überein.
Aber für uns ist es doch schön zu sehen, dass die SPD nicht mit eigenen Argumenten Wahlkampf macht, sondern mit Anti-Sprüchen gegen die FDP.
Das ist erstens billige Oppositionsrhetorik, zweitens wird dem Wähler wohl auffallen, dass man lieber die Stimme einer Partei geben sollte die Lösungen protegiert, als einer die einfach nur flache Sprüche raushaut!
Oliver // 24. April 2009 um 2:21
Warum schreibt Merz so was? Ist doch alles schon gesagt worden und das vor Wochen!
Mit diesem Artikel hat er eines bewiesen: „Merz ließt Zeitung“ … Bravo
Arbeitnehmerhai // 24. April 2009 um 8:01
Auch wenn ich diese aufkommende Stimmung gegen Haie generell überhaupt nicht gut finde …
Sehr guter Artikel!
Weiteres SPD-Wahlplakat aufgetaucht » Matthias Lehming // 25. April 2009 um 10:28
[...] Wahrscheinlich aus dem selben Hintergrund, aber etwas ernsthafter, hat Volker Wissing auf dem Blog der FDP-Bundestagsfraktion einen sehr treffenden Beitrag formuliert: Finanzhaie würden SPD wählen. [...]
Inhaltsleere ist wählbar. (II) bei Gelb ist Reif. // 25. April 2009 um 3:27
[...] meinten, “Finanzhaie würden FDP wählen“. Abgesehen davon, dass Finanzhaie wohl eher SPD wählen würden, finden nicht nur wir das Plakat eher drollig. Von daher: Danke, [...]
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:12
Hasen würden SPD wählen.
weil die SPD mal nach links und mal nach rechts einen Haken schlägt und niemand genau weis wohin es geht.
Für eine Politik, wo der Wähler nicht mehr hinterherkommt!
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:14
Mugabe wählt SPD.
Weil Gehard Schröder die Wahl in Tschetschenien für demokratisch hält.
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:15
Gasprom wählt die Schröder – SPD.
schröder: „Putin ist ein lupenreiner Demokrat“.
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:17
Chauvis wählen SPD
Denn bei der SPD gibt es die meisten männlichen Minister.
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:19
Finanzhaie wählen SPD
Damit der Staat sich noch mehr bei Finanzhaien verschuldet
Philipp H. // 25. April 2009 um 7:32
Bordelle wählen SPD
Damit Peter Hartz mit seinen VW-Kumpels noch mal vorbeischaut….
Andreas // 26. April 2009 um 9:37
in den Kommentaren sehe ich schon, es wird in den nächsten Woche wohl noch viele Plakate geben, von beiden Seiten. Uiuiui, da wurde eine Lawine losgetreten. Aber ich find es unterhaltsam.
Zum Post an sich: Wo ist in dem Text den bitte eine Lösung? Auch nur „gemecker“. Vor allem bleibt meiner Sicht nach eine wichtige Frage offen: Was denn dann tun mit der HRE? Pleite gehen lassen?! Wie groß wohl dann die Kosten sind, die der Bürger tragen muss…
Philipp H. // 26. April 2009 um 10:43
Populisten wählen SPD…
…weil die so schöne Wahlplakate machen!
Philipp H. // 26. April 2009 um 10:40
Kopiergeräte wählen SPD…
…weil die SPD von der Linkspartei abschreibt…
Philipp H. // 26. April 2009 um 10:41
Bonzenautos wählen SPD…
…weil es selbst für SUVs ‘ne Umweltprämie gibt!
Philipp H. // 26. April 2009 um 10:44
Handyhersteller wählen SPD…
..weil das SPD Programm jetzt auf eine SMS passt!
Philipp H. // 26. April 2009 um 11:04
Versicherungskonzerne wählen SPD…
…wegen der hohen Riester-Gebühren!
Hardy // 26. April 2009 um 12:16
Wählt SPD…die Partei mit den meisten(gebrochenen) Wahlversprechen!
John Dean // 26. April 2009 um 8:26
Soziale Hängematte wählt SPD…
…weil Minderleistung und Sozialdemokratie synonym sind.
Unter Schwarzgelb hätte es ein vollständig verschiedenes Bankenrettungspaket gegeben. Viel besser! Auch würden die diversen schädlichen und die Krise erst erzeugenden Einflüsse des Staates auf die Marktwirtschaft endlich beschränkt werden – das Desaster mit den oft von Sozialdemokraten verantworteten Landesbanken hätte es in einer FDP-Bundesregierung jedenfalls nicht gegeben!
Nie!
Wo die FDP regiert, sinken die Steuern! Schluss mit der Staatsromantik! Weg mit der sozialen Hängematte für Minderleister und Leistungsverweigerer! Bahn frei für die Leistungsträger! Steuern runter! Arbeitsagentur abschaffen! Lasst die Wirtschaft endlich frei agieren – dann geht die Krise schnell vorbei! Schädlichen Gewerkschaftseinfluss zurück drängen! Mehr Markt!
Das ist das Programm der Stunde.
Über Finanzhaie, Vollpfosten und viel heiße Luft … « Markus’ political blog // 26. April 2009 um 9:09
[...] die Genossen auf plumpe Vergleiche der Konkurrenz mit Vorurteilen versteift. Das ist einerseits ein Eigentor, da viele der Texte nicht so ankommen wie sie gemeint sind. Auf der anderen Seite aber auch ein [...]
… und alle Fragen offen? » Blog Archive » Bitte zu Ende denken Herr Steinbrück // 27. April 2009 um 7:54
[...] diesem Zusammenhang ganz nett zu lesen ist die Replik auf dem Blog der FDP-Bundestagsfraktion auf die Wahlplakate der [...]
SPD-Plakate wirken II « Rot steht uns gut // 27. April 2009 um 12:49
[...] Plakatmotiven ein so großes Presseecho erzeugt. Besonders die Finanzhai-Plakate haben das liberale Rückenmark wohl empfindlich getroffen: aus dem liberalen Umfeld kommen etliche Persiflagen auf die SPD-Plakate – was laut Kajo [...]
Otto Worm // 11. Juni 2009 um 10:07
Das Rot ist etwas falsch im Farbton -lächel.
Wenn man der Welt am Sonntag Glauben schenken darf, ist das Finanzhai – Plakat eine Replika eines NPD – Plakates. Genossen, habt Ihr das wirklich nötig?
“Finanzhaie würden SPD wählen” « Rai30’s Weblog | Frei Schreiben für Homberg, Hochheide und die weite Welt! // 29. April 2009 um 7:51
[...] die FDP hat jetzt auch reagiert und mit einer Analyse auf ihrem Blog klar gestellt wer den Spekulanten und Finanzhaien in letzter Zeit die gigantischen Milliardensummen [...]
rai30 // 2. Mai 2009 um 2:04
Ich bin ja selbst eher ein linksdenkender Mensch, der noch nie in seinem Leben FDP gewählt hat, aber die Erwiderung auf das SPD-Plakat mit dem Hai ist wirklich sehr gelungen und inhaltlich überzeugend!
Insbesondere wenn man bedenkt, dass unsere Steuergelder für skrupelose Spekulanten zur Verfügung gestellt wird, die sich auch noch weigern für die Folgen ihres Tuns Verantwortung zu übernehmen.
Ich frage mich nur ob die FDP eine andere Politik betrieben hätte wenn sie in der Regierung gewesen wäre!
Würde die FDP strengere Haftungsregeln für Spekulanten mittragen und wie in den USA die Bonuszahlungen für Manager von Pleiteunternehmen ganz rigoros mit hohen Steuersätzen abschöpfen???
Im Sinne der kleinen Mittelständler wäre es sicher auch wenn die großen Kapitalgesellschaften keine Steuergeschenke mehr bekämen sondern stattdessen eine Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen durchgesetzt würde!
Alisa // 9. Mai 2009 um 12:28
Mich würde eine Antwort eines FDPler auf die Frage von Rai3o interessieren.
John Dean // 10. Mai 2009 um 4:56
Diese Antwort wird nicht kommen. Punkt.
(Denn erst zu heißen Wahlkampfzeiten engagieren die Parteien PR-Experten und Praktikanten, welche die Fragen der Bürger in ihren Blogs beantworten)
Alisa, die FDP als radikale Deregulierungspartei hatte damals weder etwas gegen die schäbige Banken-Deregulierungen der Zypries-Administration, noch hat die FDP eine Ernst zu nehmendes Alternativprogramm zur Bekämpfung der Finanz/Bankenkrise.
Auch die FDP – in Regierungsgewalt – hätten hunderte von Milliarden Euro in die HRE (Sitz der Verwaltung: Irland) und die Privatbank IKB hinein gepumpt, einfach deshalb Alisa, weil die gleichen Interessen auf die FDP einwirken wie sie – im Fall der SPD und ihrem üblen Finanzminister Steinbrück – eben auf die Staatssekretäre im Finanzministerium einwirken.
Die FDP wäre nur noch williger.
(falls das geht…)
Niemand (!) hat in der FDP ernsthaft gejammert, als Steinbrück den Bankrott der Privatbank IKB verhindert hat.
Vielleicht wären, nur mal so eine Idee, auch wichtige Einflussgeber in der FDP betroffen gewesen, wenn die IKB die diversen Hedgefonds (die sie finanziert hat…), Banken (u.a. ganz massiv: die Deutsche Bank) und Privatanleger enttäuscht hätte.
FDP: Ganz große Klappe in der Opposition. Echt super. Und die konkreten Vorschläge zur Regierungspolitik sind in der Regel kaum wesentlicher wie das FDP-Programm zur Sozialpolitik: „Einfach“ die Agentur abschaffen.
Das wars.
Das ist auch die konkrete Programmatik der FDP im Wirtschaftsresort: Man glaubt, dass der Staat durch Nichthandeln das Optimum bewirkt. Und falls einflussreiche Privatinteressen von irgendwelchen Privatbankrotten betroffen sein sollten, dann zeigt sich die FDP (übrigens: ganz wie die heutige SPD) als wirksame Klientelpartei und rettet den Wohlhabenden und Spitzenvermögen den Hintern, indem sie dann EXAKT das gleiche veranstalten wie es Steinbrücks Sekretär Asmussen veranstaltet hat.
Und sei es, dass es viele hundert Milliarden Euro kostet. Einziger Unterschied: Die FDP würde zur Finanzierung dieser Maßnahmen zusätzlich die Spitzensteuern absenken – und die Mehrwertsteuer deutlich erhöhen.
So – und nicht anders – ist es. Man wird es sehen, sobald Schwarzgelb regiert. Der sogenannte Wirtschaftsflügel der CDU freut sich schon riesig drauf.
Veit U. // 10. Mai 2009 um 1:14
Ich denke, dass wir als Freie Demokraten es in keinster Weise nötig haben, mit genauso billigen, einfallslosen und im Übrigen absolut lächerlichen Wahlkampfmethoden wie „Finanzhaie würden FDP wählen“ zu arbeiten und vergeblich zu versuchen, Wähler anzulocken. Diese Taktik, das Schlechtmachen von gegnerischen und meist kleineren Parteien, resultiert nur aus der Dummheit, der Einfallslosigkeit und der Boshaftigkeit gegenüber anderen Meinungen (in einer demokratischen Partei!) derjenigen, die diesen Mist fabriziert haben. Die SPD hat nie etwas zu bieten gehabt und das wird auch so bleiben und es bleibt ihr nichts anderes übrig, als andere Parteien durch den Kakao zu ziehen. Sie macht nicht Werbung mit ihrem Programm oder ihren Köpfen, sondern damit, dass sie andere schlechtmacht. Wir können und dürfen uns nicht auf dieses billige Niveau herunterlassen, zumal wir es alle besser wissen (müssten).
Das neue Plakat macht den Eindruck, dass wir wie eine beleidigte Leberwurst Zickenkrieg anfangen, nur um der SPD vermeintlich eins auszuwischen.
Eine derart verblödetes Plakat ist nicht FDP-like und man sollte es schleunigst abschaffen, wobei wir sogar die einzige Partei sind, die sich von diesem Mist beeindrucken und provozieren lässt.
Peter Paulus // 11. Mai 2009 um 7:51
Da beklagt sich jemand über das Schlechtmachen der fdp, und spricht sogleich gegenüber der SPD : „…hat nie etwas zu bieten gehabt…“.
(tja, es gibt dennoch immerhin nicht wenige Wähler, die nie im Leben auf die Idee kämen, die fdp zu wählen, denen die SPD deutlich mehr bieten kann)
Man wäre sehr erfreut zu betrachten, wie erzürnt Veits parteiliche Entgegnung ausgefallen wäre, wenn die SPD gegenüber der fdp genau *seine* Aussagen auf Plakate gedruckt hätte…
Im Übrigen, rein wahlkampftaktisch, tut die fdp gut daran, auf die provozierende Plakatserie der SPD zu antworten. Denn es gilt: Fast jede Kontroverse nutzt der Opposition. Da kann man auch mit der politischen Lüge agieren, dass eine FDP-Regierung kein für die Bürger teures Bankenrettungspaket geschnürt hätte. Die politische Lüge ist neben der Kontroverse nun einmal das beste Wahlkampfmittel.
So einfach ist das.
Es wäre vielleicht etwas zu hart, die SPD als Partei von Rentnern und Sozialschmarotzern zu zeichnen, aber nun, so in diese Richtung könnte es schon gehen. Beispielsweise könnte die fdp stark punkten, wenn sie es schaffen sollte, ihre weltanschaulichen Genossen Clement und Sarrazin in einer Plakatserie zu verarbeiten.
Denn: Es ist nicht etwa die überlegene Programmatik, oder ein kluges Regierungsprogramm, welche Wahlkampferfolge garantiert, sondern die Kontroverse nützt der fdp.
Dazu empfehlen sich noch ein paar flotte, komplett haltlose Versprechungen, beispielsweise umfassende Steuersenkungen künftig unter Schwarzgelb.
Schon steht die Mehrheit!
(ja: es ist so einfach)
rudi // 18. Juli 2009 um 11:33
Ihr seit Neo liberale Rassisten und VolksSpalter!
Ja richtig es gibt Sozialschmarotzer !!
Fangt bei eurer Klientel an die grössten Schmarotzer
des Landes!
2008:
22 Milliarden alg 2
103 Milliarden Ergänzendes alg 2 (Lohnkosten auf den Steuerzahler abwälzen)
Ihr Liberalen habt doch den Schuss nicht gehört!
Veit U. // 11. Mai 2009 um 3:10
Herr Markwort (Chefredakteur Focus) hat übrigens einen sehr interessanten Kommentar vom Donnerstag in sein Tagebuch geschrieben. Herr Markwort hat, zu dem Zeitpunkt offenbar noch unwissend über das neue Plakat, geschrieben:
„… ´Finanzhaie würden FDP wählen´schreibt die SPD ein Plakat, das in vielen deutschen Städten klebt. Es zeigt eine fiese Kreuzung aus einem glubschäugigen Zähnemaul und einem Menschen mit Hemd und Krawatte. Die Symbolik [...] erinnert an Goebbels-Kampagnen im Dritten Reich. Die FDP ist klug genug, nicht auf dieses Niveau hinabzusteigen und nicht darüber nachzudenken, welche unangenehme Tierart die SPD wählen würde.“
Allein der im Übrigen völlig richtige Vergleich mit der Goebbels-Propaganda ist es wert, sich das neue Plakat noch einmal gründlich zu überlegen. Sich auf dieses wahrlich unterste-Schublade-Bildzeitungs-Niveau herabzulassen, ist eine Schande, auch deshalb, weil die beiden anderen von der SPD gepeinigten Parteien (Linke, Union), die sonst überaus streitlustig sind, noch nicht ein Wort dazu gesagt haben.
Ich war und bin immer einstimmig mit FDPlern, doch dieses Plakat, so nichtig es auch sein mag, ist ein Schandfleck auf dem Antlitz der FDP. Mal sehen, was Herr Markwort dazu sagt …
Helmut Suttor // 14. Mai 2009 um 3:08
Der SPD-Slogan verweist doch die Position der FDP zur Deregulierung der Finanzmärkte VOR der Krise. Hier wird man sagen müssen, die FDP hat die Derregulierungsschritte von RotGrün mitgetragen. Wenn sie Derregulierungsvorschläge ablehnte, dann weil sie weiter gehen wollte oder – wenn RotGrün etwas für Stärkung von Regulierung und Kontrolle vorschlug – hat man dies abgelehnt.
Beispiel: Kapitalmarktinformationsgesetz aus dem Jahr 2004, dass – unabhängig von der Ablehnung durch die FDP – RotGrün nicht verabschiedete. Dabei wäre es u.a. um eine Verschärfung der Managerhaftung gegangen. Herr von Pierer war auch entschieden dagegen – inzwischen versteht man etwas besser warum. Wer hat vorgeschlagen die Investmentbanker steuerlich zu entlasten, damit sie nach Frankfurt kommen?
Deutschland wurde bis jetzt von der Finanzkrise weniger tangiert als andere Länder (USA, GB, Irland), dies auch deswegen, weil wirtschaftspolitische Vorstellungen der FDP nicht umgesetzt wurden. Was bei den Liberalen aussteht ist eine Bestandsaufnahme ihrer wirtschafts- und ordnungspolitischen Positionen nach der Krise. Vorläufig befinden wir uns da noch in der Phase des Gesundbetens, wenn „Staatsversagen“ als Hauptursache ausgemacht wird, weil deutsche Landesbanken in Fallen getappt sind, die anderswo aufgestellt werden konnten. Das Problem ist doch, daß diese Fallen aufgestellt werden konnten und nicht, daß inkompetente Landesbanker in dieselben tappten.
Nochmal zur Managerhaftung: Der FDP-Abgeordnete Martin Zeil schrieb mir hierzu am 13.10.2008- ich hatte ihn nach der aktuellen Position seiner Partei gefragt:
„Sollte die jetzige Bundesregierung in dieser Angelegenheit erneut einen Vorschlag vorlegen, müsste die FDP müsste die FDP aufgrund der Finanzkrise ihre Haltung dazu noch einmal prüfen Martin Zeil, MdB.“
Es ist einer Oppositonspartei nicht verboten, von sich aus aktiv zu werden. Hat die FDP keine eigene Meinung zu diesem Thema – nach der Krise?
Die FDP hat sich nach meinem Eindruck noch nicht wirklich mit dieser Krise auseinandergesetzt. Sie weiß nicht, was konkret gemacht werden soll (wo sind denn die grundsätzlichen Alternativen zur Politik der Regierung – beispielsweise in Sachen HRE) und sie weiß vor allem nicht, wie ein liberales ordnungspolitisches Leitbild nach der Krise auszusehen hat. Klar scheint folgendes: Das ordnungspolitische Leitbild der FDP vor der Krise war auf dem Weg in die Krise eher Teil des Problems als Teil der Lösung.
Schöne Grüße
Helmut Suttor
Scrutograph // 12. Juli 2009 um 1:46
Heißt das, die FDP möchte nicht mehr von Menschen gewählt werden, die in der Finanzbranche tätig sind?
So wie die Geschäfte samstags auf dem Land ab 16 Uhr, sind die Kommentare geschlossen.