“Vorbild” Staat beim Datenschutz

Hans-Joachim Otto

Hans-Joachim Otto

Seit Monaten berichtet die Presse über diverse “Datenskandale”. Im Grunde ging und geht es dabei immer um das gleiche Problem: die Entwendung persönlicher Daten und der potentielle Missbrauch dieser Daten – teilweise zur persönlichen Bereicherung. Der Handlungsdruck auf Seiten der Politik ist entsprechend groß. In der Tat sollten wir auch gesetzgeberisch tätig werden, wenn denn dadurch tatsächlich solche – allerdings schon nach jetziger Rechtslage – kriminellen Umtriebe eingedämmt werden können. Die FDP-Bundestagsfraktion hat in diesem Zusammenhang übrigens ein entsprechendes Positionspapier erarbeitet.

Trotzdem wird aus meiner Sicht ein wesentlicher Punkt in der Berichterstattung und in der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht ausreichend berücksichtigt: die Rolle des Staates als “Vorbild”. Denn ein Staat, der sich selbst nicht an bestimmte Regeln hält, wird es auch schwer haben, diese Regeln bei seinen Bürgern durchzusetzen. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele, die ich sehr bedenklich finde:

1) Es ist völlig richtig, dass der Staat sämtliche Instrumente des Rechtsstaates anwendet, um Steuersündern auf die Schliche zu kommen. Wenn alle Bürger ordnungsgemäß ihre Steuern zahlen, ist die Gesamtbelastung für die steuerpflichtige Bevölkerung geringer (dass die Steuerbelastung in Deutschland insgesamt zu hoch ist, steht auf einem anderen Blatt). Ob es allerdings in Ordnung ist, dass der Staat dabei auf kriminell beschaffte Bankdaten zurückgreift, wage ich zu bezweifeln. Die Krönung ist, dass dem Dieb sein Diebstahl auch noch mit mehreren Millionen Euro vergoldet wird. Das fatale Signal, das der Staat hier setzt, ist doch: jeder Bürger möge mit allen Mitteln versuchen, an persönliche Daten seiner Mitmenschen heranzukommen. Der Staat dankt es ihm schon. Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass der “Lohn” für den Dieb ebenfalls aus Steuermitteln finanziert wird.

2) Einer der größten “Player” am Markt für privaten Datenhandel ist die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Obwohl diese von den zuständigen Ämtern sämtliche relevanten Meldedaten mitgeteilt bekommt und damit letztendlich jedem Bürger ständig “auf den Fersen” ist, kauft sie zusätzlich persönliche Daten von privaten Datenhändlern. Damit kurbelt die GEZ die Nachfrage erst so richtig an. Dass private Datenhändler nicht immer ganz seriös bei ihrer Datenbeschaffung vorgehen, wissen wir nicht erst seit dem Spiegel-Artikel über “Kriminelle Geschäfte in der Call-Center-Branche”. Daher halte ich es für in höchstem Maße bedenklich, dass eine öffentliche Institution wie die GEZ (die ja eine Gemeinschaftseinrichtung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist) die zweifelhafte Beschaffung persönlicher Daten noch attraktiver macht.

Bevor wir also nach Änderungen an Gesetzen rufen, sollten wir erst einmal dort tätig werden, wo wir einfach und schnell Verbesserungen erreichen können. So wäre es durch eine einfache Anweisung an die GEZ durch die ARD-Anstalten möglich, dieser den Handel mit persönlichen Daten zu untersagen. Das würde die Attraktivität der Beschaffung bereits um einiges senken.

Ich würde sehr gerne Ihre Meinung zu diesem Thema hören!

Ihr
Hans-Joachim Otto

3 Antworten zu “Vorbild” Staat beim Datenschutz

  1. Pingback: antibuerokratieteam.net » Blog Archive » Schlechtes Vorbild FDP-Fraktion

  2. Schade, schade, daß der Rechtsstaat sich unentwegt selbst aushöhlt. Da wundert es mich kaum mehr, daß die Wahlbeteiligung sinkt und die Bevölkerung resigniert oder wegschaut. Aber keine Sorge: Es ist möglich, dem Datenklau zu entgehen. Man kann sogar die GEZ boykottieren, auch wenn das anstrengend ist. Nur ist das Thema Datenschutz leider nicht das größte Problem; viel schlimmer sieht es in der Justiz aus. An den Amtsgerichten hat die Rechtsprechung schon lange nichts mehr mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Da verschwinden ganze Akten im Nirwana (“verbummelt” von Gutachtern, für die solche ein Verhalten natürlich keine Konsequenzen hat), das werden wichtige Zeugen schlichtweg von den Richtern als irrelevant definiert und nicht gehört bzw. geladen, Beweisvereitelung ist mittlerweile ein Anwaltssport und man darf an manchen Gerichten schon froh sein, wenn die Richter überhaupt lesen, was die Parteien vortragen. “Rechtsstaat” ist nicht mehr als ein Etikett, das auf verfaultem Grund haftet. Leider. Aber was kümmert und da das bißchen Datenklau? Mal ehrlich, “transparent” sind wir doch längst. Egal ob Patient oder Arbeit- oder Versicherungsnehmer: Big Brother weiß alles. Diese Entwicklung habe wir dem Terrorismus zu verdanken. Aber wir nicken ja noch immer alle brav mit dem Kopf und unternehmen nichts.
    Heutzutage gilt: EHRLICH währt am ÄRMSTEN!
    Wer lügt und betrügt, kommt besser durchs Leben.
    Schade.

  3. Die GEZ untersagen. Das halte ich für sinnvoll. :) (ich habe mich aber absichtlich verlesen müssen, um hier so eine menschenfreundliche Haltung zu finden)

    Ansonsten Abschalten, wohlfühlen.

    >Wenn alle Bürger ordnungsgemäß ihre Steuern >zahlen, ist die Gesamtbelastung für die >steuerpflichtige Bevölkerung geringer (dass die >Steuerbelastung in Deutschland insgesamt zu >hoch ist, steht auf einem anderen Blatt)

    Das steht eigentlich auf dem selben Blatt. Wenn man die Dinge natürlich zerteilt, dann kommt das Bild des bösen (Steuer-”Sünder”) Bürgers und des betrogenen Staates heraus. Wenn aber mittlerweile beide Mitglieder einer Familie arbeiten müssen, damit man beim Lebensmitteldiscounter Müllnahrung kaufen kann und eine viel zu kleine Wohnung unterhalten kann, dann ist “Steuersünde” eigentlich eher der falsche Begriff.
    “Die Gesamtbelastung des einzelnen Bürgers” ist beliebig hoch – je nachdem, wie viel Saft die Zitrone eben hergibt. Wir haben ja immer noch ein Haushaltsdefizit abzubauen und nicht das Glücksgefühl der Bevölkerung zu steigern (das wäre ja ein lächerliches Ziel).