„Bild Dir Deine Meinung“ – unter diesem Motto Deutschlands größter Boulevardzeitung hätte gut der vergangene Mittwoch stehen können, als ich mit einigen Kollegen eine Einladung des Axel-Springer-Verlages zu einem sehr interessanten Hausbesuch nutzte. Der Verlag hatte sämtliche Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages in das Axel-Springer-Haus in Berlin-Mitte eingeladen, um ihnen einen detaillierten Einblick in das Innenleben eines großen Medienhauses zu gewähren.
Besonders spannend und interessant fand ich persönlich die Teilnahme an der Redaktionskonferenz der „Bild“-Zeitung. Hautnah konnten wir erleben, wie die nächste Ausgabe entsteht, welche Themen gesetzt werden und wie die Redaktion mit Kritik umgeht. Nach dem Motto „Wie die Bild aus Fehlern lernt“ haben wir auch aus nächster Nähe das relativ neue Instrument der Blattkritik kennengelernt. Vor Beginn der Redaktionskonferenz hatte an diesem Tag die Schauspielerin Jenny Elvers-Elbertzhagen Gelegenheit, ihre Kritik an der Ausgabe des Vortages anzubringen – die Redaktion musste sich anschließend damit auseinandersetzen. Im Gespräch mit den leitenden Redakteuren konnten wir das spezielle Verhältnis zwischen der Politik und der Bild-Zeitung analysieren. Mein Eindruck ist: Sie haben sich gegenseitig viel vorzuwerfen, kritisieren einander häufig, loben einander manchmal und schieben Verantwortung zwischen sich hin und her. Letztendlich können und wollen sie auch nicht ohne einander leben, auch wenn politische Artikel bei der Bild – wie wir erfahren haben – weit weniger gerne gelesen werden als Artikel aus dem Unterhaltungsbereich.
Wir besuchten außerdem den „Newsroom“ der Welt-Gruppe. Hier entstehen jeden Tag die Ausgaben der Welt, der Welt kompakt und der Berliner Morgenpost.
Insgesamt erlebten wir also einen sehr informativen Blick hinter die Kulissen. Medien und Politik sind nach wie vor stark aufeinander angewiesen und die Presse spielt auch heute noch eine sehr wichtige Rolle als Filter und Vermittler politischer Inhalte. Insofern ist es gut und richtig, dass es große Presseorgane gibt, die den Finger trotzdem auch mal etwas pointierter in die Wunde legen. Ein reger und direkter Austausch zwischen allen Beteiligten ist demnach immer zu begrüßen.
