Blog der FDP – Bundestagsfraktion

Zu Besuch im Behandlungszentrum für Folteropfer „Zentrum Überleben“ in Berlin

25. September 2008 · 1 Kommentar

Die Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der FDP-Bundestagsfraktion war auf Exkursion. Wir haben das Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo) in Berlin-Moabit besucht. Es ist seit Juli 2008 zusammen mit der Stiftung für Folteropfer, dem Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm) und der gemeinnützigen GmbH Catania unter einem neuen Dach, dem „Zentrum Überleben“.

Florian Toncar (2.v.l.) und Burkhardt Müller-Sönksen (3.v.l.) im Zentrum Überleben

Florian Toncar (2.v.l.) und Burkhardt Müller-Sönksen (3.v.l.) im Zentrum Überleben

Das bzfo gibt es seit gut 15 Jahren. Es wird anteilig finanziert durch Mittel des Bundes, der Europäische Union und der Vereinten Nationen sowie zur Hälfte durch private Spenden. Im letzten Jahr wurden im bzfo 500 Patientinnen und Patienten ambulant oder in der eingegliederten Tagesklinik versorgt. Diese ist wiederum angeschlossen an die Schlossparkklinik und die Charité. Im bzfo werden durch psychische oder physische Folter traumatisierte Personen hochprofessionell behandelt. Unterstützt werden die Therapeuten durch inderdisziplinäre Forschungsprojekte. Eine hausärztliche Betreuung, Krankengymnastik und die verschiedensten Therapien zur Behandlung psychischer und physischer Schädigungen, Rechtshilfe sowie Trainings zur Alltagsbewältigung werden dort den durch Folter traumatisierten Menschen ambulant oder in der angegliederten Tagesklinik angeboten.

Behandlungszentrum für Folteropfer

90 Prozent der Klientinnen und Klienten sind Asylbewerber und die meisten kommen aus der Türkei. Es waren aber auch sehr viele Menschen aus dem Iran, dem Kosovo und Tschetschenien unter den Hilfesuchenden. 40 Prozent der behandelten Personen im letzten Jahr waren Frauen. Auch Menschen, die in der DDR Opfer von Folter wurden, bitten im Zentrum Überleben um Hilfe.

Durch den Vortrag der Leiterin der Ambulanten Abteilung haben wir einiges über die Arbeitsabläufe mit den traumatisierten Menschen in dem Zentrum erfahren. Am meisten hat uns als Menschenrechtspolitiker der FDP interessiert, wo es Probleme gibt und wie wir das Zentrum in seiner Arbeit unterstützen können. Am dringendsten ist natürlich – wie kann es anders sein – die Finanzierung verschiedener Leistungen. Zum einen werden die Kosten für Dolmetscher bei Arzt- und Krankenhausbesuchen nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen. Im Regelfall übernimmt das bzfo die Bezahlung der Dolmetscher, die unbedingt notwendig sind, wenn sich Arzt und Patient verstehen sollen und eine richtige Behandlung erfolgen soll. Zum anderen ist immer noch nicht eindeutig gesetzlich geklärt, wie Folteropfer nicht deutscher Herkunft eine medizinische Regelversorgung erhalten. Unsere Gesprächspartnerin wies auch darauf hin, dass es immer wieder Kommunikationsprobleme zwischen den Gutachtern des Zentrums und den Sachbearbeitern in den zuständigen Ämtern gibt. So werden zum Beispiel Gutachten, in denen eindeutig steht, dass die Asyl suchende Person eine Psychotherapie oder eine Schmerz-Behandlung braucht, hinterfragt. Oder es ist sehr schwierig, Medikamente dort zu erhalten, wo sich die traumatisierten Menschen aufhalten, da die Zuständigkeit für die Bereitstellung von Medikamenten beim jeweiligen Landkreis liegt. Eine weitere Hürde für die Therapeutinnen und Therapeuten des Zentrums ist die drohende Retraumatisierung der behandelten Personen durch eine erneute Überprüfung der Gutachten des Zentrums durch Bundesbehörden. Alleine durch den Empfang eines offiziellen Schreibens, dessen Inhalt sie nicht wirklich verstehen, geraten viele Patienten in Panik oder Schockzustände, in ähnlichem Maße wie zu Beginn ihres Aufenthaltes in dem Zentrum.

Alles in allem war es ein sehr beeindruckender Besuch mit äußerst interessanten Fachgesprächen, an die wir gerne anknüpfen würden. An politischen Aufgaben für uns mangelt es auch in diesem Bereich der Menschenrechtspolitik leider nicht.

Ihr Burkhardt Müller-Sönksen

Kategorien: Burkhardt Müller-Sönksen · Florian Toncar · Menschenrechte · humanitäre Hilfe

1 Antwort bis hierher ↓

  • lydia schwarz // 24. Juni 2009 um 2:13

    ja ich bin auch in der ddrgefolter und vergewaltigt und muss noch heute leiden wie ein hund habe schlafstorung und andst zustände bin jetz auch erwerbs unfähig und wünsche das was wir politsche häflinge durchgemachthaben kein einziger erleben muss so wie ich behandelt worden bin schlimmer noch als ein hund da wurden in dessau und dann in waldheim die hunde besser versorgt als wir politsche häftlinge

    mit freundichen gruß lydia schwarz /geb. bär

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