Als behindertenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion versuche ich bei vielen Terminen einen Abstecher zum jeweiligen Bahnhof des Ortes zu machen, an dem ich mich gerade aufhalte, um mir ein Bild vom Stand der Barrierefreiheit zu machen. Gerade während des momentanen Wahlkampfes in Bayern bin ich in sehr vielen Orten unterwegs und habe dazu oft Gelegenheit.

v. l. n. r: Stefan Martin (FDP-Landtagskandidat Landkreis Erlangen-Höchstadt), Ute Kolberg (FDP-Gemeinderätin Eckental), Karl-Heinz Link (Vorsitzender VdK Ortsverbands Eckental), Jörg Rohde MdB (behindertenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion), im Rollstuhl: Helga Weber
Ich stelle fest, dass in manchen Orten seitens der Bahn AG schon sehr viel getan wurde um Menschen mit Gehbehinderungen oder Rollstuhlfahrern das Reisen zu erleichtern und zu mehr Mobilität zu verhelfen. Ich stelle aber auch fest, dass es trotz Bemühungen bei der Bahn immer noch viel zu tun gibt.
Oft sind es Kleinigkeiten, die mit nur ein wenig Aufwand zu einer Verbesserung führen könnten. Hier ist oft auch eine gute Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommune nötig. Ich freue mich, wenn ich hier als Vermittler nützlich sein kann und die Ansprechpartner aller beteiligten Seiten zusammenbringe.
Insgesamt muss das Bewusstsein für „Stolperfallen“ bei Kommunen und auch bei der Bahn noch geschärft werden. Oft wird nicht daran gedacht, dass Kleinigkeiten wie ein Schotterweg auf dem Zugangsweg zum Bahnsteig bereits eine Erschwernis darstellen oder auch ein nicht abgesenkter Bordstein.
Vor wenigen Tagen war ich in Eckental-Forth, einem kleinen Haltepunkt der Bahn in meinem Wahlkreis Erlangen-Höchstadt. Mit dabei waren die FDP-Gemeinderätin, Ute Kolberg, der Vorsitzende des VDK-Ortsverbands sowie eine Rollstuhlfahrerin, die uns anschaulich machte, welche Hindernisse sie mit ihrem Rollstuhl überwinden muss. Der Bahnsteig des dortigen Haltepunkts ist bereits vorbildlich barrierefrei umgebaut worden. Der Zugangsweg zum Bahnsteig ist allerdings ein Schotterweg, der für Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer oder auch Personen mit Kinderwagen schwer zu passieren ist. Dazu kommt, dass der Ort Forth durch die Bahnlinie mittig geteilt wird, so dass die Gleise überquert werden müssen um auf die andere Seite zu gelangen. Der Gleisübergang in der Nähe des Bahnsteigs ist beidseitig mit seitlich versetzten Gittern versehen, die leider so eng aneinander stehen, dass sie mit einem Elektrorollstuhl nicht passierbar sind. Diese Personen müssten auf den 1,5 km entfernten anderen Gleisübergang ausweichen.
An den zu überquerenden Gleisen selbst besteht ein größerer Abstand zwischen den Metallschienen und den angebrachten Holzlatten, die eine echte Gefahr darstellen, da die Rollatorräder oder die kleineren Räder von Rollstühlen stecken bleiben oder auch Kinder mit Fahrrädern stürzen könnten. In einem Brief an die Behindertenbeauftragte der Deutschen Bahn, Frau Ellen Engel, habe ich auf die Mängel hingewiesen mit Hinblick darauf, dass diese Gefahrenstellen mit Sicherheit auch an anderen Bahnhöfen existieren und eine Gesamtlösung gefunden werden sollte.
Auf diesem Wege konnte ich bereits einen Erfolg für Gehbehinderte am Nürnberger Hauptbahnhof erreichen. Dort war am Erste-Klasse-Schalter ein Hinweisschild entfernt worden, das Gehbehinderte dort bevorzugt bedient werden, damit sie nicht in der Schlange am Zweite-Klasse-Schalter lange stehen müssen. In einem Schreiben an die Bahn argumentierte ich, dass es doch wenig sinnvoll erscheint eine bereits existierende Einrichtung wie dieses Hinweisschild zu entfernen, wo es doch eine eindeutige Erleichterung für Menschen mit Gehbehinderungen darstellte. Die Bahn reagierte prompt, auch auf die Berichterstattung der lokalen Presse hin, und brachte das Hinweisschild wieder an. Das Ziel muss nun sein, das Hinweisschild in allen deutschen Reisezentren der Bahn am Erste-Klasse-Schalter anzubringen. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.
Aufgrund der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen Tatsache, dass unsere Gesellschaft immer älter wird brauchen wir mehr denn je ein gesteigertes Bewusstsein für barrierefreies Bauen und barrierefreie Zugänge zu allen öffentlichen aber auch privaten Einrichtungen. Dies bedeutet eine verbesserte Teilhabe am alltäglichen Leben für Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen.
Ihr Jörg Rohde
1 Antwort bis hierher ↓
Bloggende Politiker: Blogschau (10/I) // 29. September 2008 um 8:31
[...] und Lokalpolitiker. Zu verfolgen ist beispielsweise der Besuch des behindertenpolitischen Sprechers Jörg Rohde auf den Bahnhöfen der Orte, an denen er Termine hat, um deren Barrierefreiheit zu [...]
So wie die Geschäfte samstags auf dem Land ab 16 Uhr, sind die Kommentare geschlossen.